Musik

Jens Friebe – der Sex-Appeal von Intellekt und Pathos

Jens Friebe ist immer noch der Boy der Stunde, und das, obwohl er dieser Tage bereits sein fünftes Album veröffentlicht.

Das BiNuu am Schlesischen Tor ist rappelvoll: Friebe läuft nach der etwas durchwachsenen Vorgänger-Platte auf seinem neuen Album „Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus“ (nur echt ohne Komma) wieder zu Hochform auf. Und Friebe ist nicht nur ein verdammt guter Songschreiber, Sänger und Gitarrist, sondern auch ein Entertainer.

Friebe rockt und nuschelt und croont, dass es eine Freude ist. Er reimt „rückwärts“ auf „Herz“ und singt Zeilen wie „Ich kann dich nicht verstehen, wenn du schweigst“, bricht ihre Innerlichkeits-Geste aber sofort auf mit den Worten „Ich kann kein Blut sehen wenn du’s mir nicht zeigst“. Er singt ein Lied wie „Zahlen zusammen, gehen getrennt“, das fast schon Schlager ist.

Bei „Schlaflied“ bittet Friebe extra – ungewohnt uncool – um Ruhe im Saal. Hoch poetisch kommt es daher. Und es breitet ein unschuldiges Pathos aus, so zerbrechlich wie man es Friebe, diesem ewigen Auskenner, kaum zugetraut hätte: „Kommt vom Feld, der Tag ist um. / Seht, das Glühwürmchen tanzt. / Das alte Planetarium / strahlt in neuem Glanz.“ Und es schwingt sich auf zu einer Melodie, wie sie neben Friebe hierzulande kaum jemand schreiben kann.

Wenn die Herren im Anschluss noch hüftschwingend eine federnde, wie Friebe sagt, Burt Bacharach-Version das alten Hits „Geheime Party“ spielen, muss man einmal feststellen, dass Intellekt, Pathos und Selbstironie im deutschsprachigen Pop selten so sexy waren. Und als Friebe dann noch allein am Klavier „Wenn man euch die Geräte zeigt“ spielt, diese Mischung aus Zeitdiagnose und B-Movie, und sehr viele im Publikum mitsingen, kann man ihn sich einen Moment lang im Glitzeranzug vor 20.000 Leuten auf der Waldbühne vorstellen.