Jazz-Kritik

Ndidi Onukwulu besingt ihren Liebesschmerz

Die Jazzsängerin bringt ihren „Dark Swing“ ins Quasimodo

In den 20er-Jahren galt das „Delphi“, in dessen Keller der Quasimodo-Club liegt, einmal als Mekka des Swing. Es gab Schampus und Absinth und man stolperte im Morgengrauen nach Hause. Heute hängen hier Fotos von den Jazzlegenden, die Stimmung ist gesetzt, es herrscht Rauchverbot. Ndidi Onukwulu präsentiert hier ihr Album „Dark Swing“. Die Sängerin kommt aus Kanada, hat nigerianische und deutsche Wurzeln und hat einige Zeit in New York gelebt.

Bei Dark Swing ist ein Konzertabend natürlich nicht ganz so lustig und unbeschwert, wie man sich ein Swing-Event gemeinhin vorstellt. Düstere Melodramatik wird genreübergreifend ja vorliebend mit dem französischen „noir“ beschrieben, inzwischen gibt es Swing-noir oder auch Pop-noir. Das Wort schmeckt verrucht und bittersüß und malt Geschichten in Schwarzweiß wie im Namensgebenden Film noir. Wenn im Film ein Lichtstreifen ins Zimmer fällt, um das Profil der Protagonistin zu erhellen, flammt kurz ein Hoffnungsschimmer auf. Aber natürlich gibt es im Film noir am Ende kein Happy End, genauso wenig wie in Ndidi Onukwulus Swing, denn der ist nicht nur noir, sondern dark, fast schon zappenduster. Die Dunkelheit in ihrer Musik kommt vom gebrochenen Herzen, mit dem Album verarbeitet die Kanadierin eine Trennung. Die Produktion von „Dark Swing“ nutzte die Sängerin als Karthasis.

„Engine gone cold“ sei ein ziemlich persönlicher Song, erzählt Ndidi. Und dann singt sie doch überraschend unbeschwert davon, dass Schmerz eben seine Zeit braucht. Aber wer durch so schwere Zeiten geht, der müsse nach dem Licht am Ende des Tunnels Ausschau halten, rät die Sängerin. Und so bluesig und schmerzvoll die Stücke auch klingen, als Ndidi Onukwulu beim Refrain ankommt, spült der Lagerfeuerblues den Schmerz einfach weg. So pessimistisch, wie zu vermuten war, klingt also längst nicht alles, was sie heute vorträgt. Insbesondere die Jam-Einlagen, die sie und die Band einlegen, enthalten durchaus fröhlichem Missisippiblues. Dass der Verlust einer Katze mindestens genauso schrecklich sein kann wie eine zerbrochene Beziehung, erklärt die Sängerin noch grinsend und schreit dann den Frust über die verschwundene Katze heraus, als ginge es um ihr Leben.

Im Sugarman-Cover, dem Titelsong zur Rodriguez-Story – dem vergessenen Star, der in Südafrika genauso berühmt war wie Bob Dylan – geht es um verlorene Hoffnungen, leere Straßen und kalten Staub, der einem ins Gesicht fährt. Aber Ndidi Onukwulu singt so sanft von ihrer Vorfreude auf den Sugarman, dass man die trübe Großstadtszenerie gar nicht wahrnimmt. Das Koks, das der Sugarman für Rodriguez in den Taschen hatte, ist in ihrem Fall Sehnsucht, die bekanntlich genauso süchtig machen kann. Ndidis „Noir“-Moment, der mit dem kurzen Hoffnungsschimmer, kommt, wenn sie „Yer So Bad“, der Song ist bereits auf Tom Pettys Album „Full Moon“ erschienen, singt.