Popkritik

Der Boden bebt, das Publikum tanzt eine Stunde lang

Rapperin Azealia Banks gibt ihr Deutschland-Debüt im Huxley’s

Azealia Banks kommt aus New York. Vor zwei Jahren wurde die damals 20-Jährige bekannt. Sie rappt mit losem Mundwerk, Micki-Maus-Pullover und geflochtenen Zöpfen über Dinge, die bis dahin eigentlich nur Gangster-Rappern vorbehalten waren. Beleidigungen, Anzüglichkeiten und Prahlereien - ihr Acid-Rap-Hit „212“ wurde millionenfach auf Youtube geklickt, die Musiklabels zeigten Interesse. Ihr erstes Album „Broke with Expensive Taste“ erscheint jedoch – nach Meinungsverschiedenheiten mit Universal Music im Juli 2014 – erstmal gar nicht. Was die selbstbewusste Rapperin, nicht davon abhält, trotzdem auf Tour zu gehen.

Am Freitagabend hat sie im Huxley’s ihr Deutschland-Debüt gegeben. Unruhig steht das Publikum im Saal, junge Männer mit langen Bärten und Muskelshirts, junge Mädchen mit Dutt, auffällig viele mit tiefrotem Lippenstift, Piercings und Tätowierungen. Sie sind tanzwütig, grölen, wackeln ungeduldig mit den Beinen hin und her. Man versucht, ein wenig Energie zu entladen. „Wenn sie Liquorice spielt, dreh ich richtig durch“, warnt ein junger Besucher seine Freundin. Die nickt ihm begeistert zu.

Die Rapperin, die sich selbst als „yung rapunxel“ bezeichnet, lässt lange auf sich warten. Um kurz vor zehn ist es dann soweit. Azealia Banks betritt die Bühne, klein ist sie, aufreizend in Lederrock, den Oberkörper umspannt von einem Accessoire mit schwarzen Riemen. Im lila Scheinwerferlicht beginnt sie mit „Out of Space“ den Abend. Der klebrige Boden bebt nach einigen Minuten so heftig, dass man ein wenig hin- und hergeschleudert wird von der Wucht des tanzenden Publikums. Noch 60 Minuten lang wird das anhalten. Zwei Background-Tänzer fuchteln wild mit den Armen, schlängeln sich auf der Bühne. Voller Körpereinsatz gilt bei „Neptune“ und „Atlantis“, auch im Publikum.

Banks wirkt wie ein Vollprofi. Sie spricht unglaublich schnell zwischen den Stücken. „Are you having a good time?“, fragt sie mit einem frechen Grinsen nach „Fuck Up the Fun“. Das Publikum bejubelt sie euphorisch. Schnell zieht sie das Tempo an, rappt freestyle, mal ein kleiner Hüftschwung, dann streckt sie die Zunge raus. Zwischendurch wird nur kurz Luft geschnappt. Für „Luxury“ gibt es Rap-Pause, es wird gesungen, schief aber sympathisch. Banks lächelt, als sie sieht, dass die gesamte erste Reihe den Text mitsingen kann.

Die Akustik an diesem Abend ist schlichtweg schlecht. Die Acid-Bässe dröhnen unsauber aus den Boxen. Banks entschuldigt sich dafür. Und will es wieder gut machen. Bei „1991“ und „Liquorice“ zucken die weißen Laser heftig, Banks bewegt sich energiegeladen auf der Bühne. Mit „212“ rundet sie den Abend ab. „Ey yooo“, ruft sie mit rauchiger Stimme in die Menge und die antwortet ihr prompt mit einem lautstarken „ey yooo“ zurück. Was für ein Song. Es wird kräftig gesprungen, die Arme in die Luft gerissen, eine schöne Reizüberflutung. Laut, bunt, kreischend.