Museen

Gesten für die Ewigkeit

Kurzweilige Schau im Museum in der Kulturbrauerei: Wie Kommunikation gelingt – und wie nicht

Gleich am Beginn hängt eine überdimensionierte Mütze, unter die sich der Besucher stellen kann. „Alles ist möglich. Nur der Himmel ist deine Grenze. Du bist der Größte“, hört er dann. „Ich glaub an dich“, sagt die warme Stimme vom Tonband. Ein aufbauender Beginn für eine Ausstellung, im Grunde für jeden Tag. Er erinnert an einer der Edeka-Spots von Friedrich Liechtenstein: „So, jetzt zu dir mein lieber Freund. Weißt du, dass du ein sehr geiler Kollege bist?“ Schade, dass man diese riesige Mütze nicht kaufen kann.

Sie ist Teil einer Ausstellung über „Zeichen. Sprache ohne Worte“, die heute im Museum in der Kulturbrauerei eröffnet. Nach Bonn und Leipzig macht sie in Berlin Station, direkt neben dem DDR-Museum, das im vergangenen November eröffnete.

Es ist eine ausgesprochen lebendige Schau geworden, was so nicht unbedingt zu erwarten war. Denn die Wichtigkeit der non-verbalen Kommunikation hervorzuheben, ist recht banal. Denn wir kommunizieren, ob wir wollen oder nicht. Und wir wissen auch das. Die Wahl der Kleidung, Tattoos, Haarschnitte, Körpervolumen und Körperbehaarung ist ein feines semiotisches Identitätspuzzle. In dem Spiel gibt es kein richtig oder falsch, sondern nur die eigene Stilkunde. „Selbstbewusster sei“ sie, so lesen wir die Aussage einer PR-Assistentin, weil sie ihr „Ich“ präsentiere. Die junge Frau hat sich ein gewaltiges Werk auf den Rücken tätowieren lassen, wenngleich es den unkundigen Betrachter eher an ein chinesisches Wimmelbild erinnert.

Ein einziger Fehlgriff reicht

Populär wird das semiotische Spiel, und daraus bezieht das Leben seine Tragik und Komik, wenn Kommunikation misslingt. Ein einziger Fehlgriff wird dann zum Kainsmal, das greller leuchtet als jedes Tattoo. Was wird von Guido Westerwelle in Erinnerung bleiben? Mühsame Verhandlungen mit anderen Ministern? Aufreibender Wahlkampf in der Provinz? Zähe 16-Stunden-Tage? Nein, es ist die gelbe 18, die im Wahlkampf 2002 unter seinen Schuhsohlen strahlte und das FDP-Wahlziel „18 Prozent“ verkündete. Oder was bleibt von Klaus Kleinfeld, früherer Siemens-Chef, der sich gleich zweimal unsterblich machte: Erst präsentierte er auf einem Porträtfoto seine Rolex so aufdringlich, als hätte er sie gerade auf der Rennbahn gewonnen. Und dann ließ er, aus Feigheit vor der Öffentlichkeit, die Rolex-Uhr wegretuschieren.

Josef Ackermann wiederum hat sich mit seiner Victory-Geste während des Mannesmann-Prozesses verewigt. Da kann der damalige Chef der Deutschen Bank noch so oft sagen, wie er will, er hätte nur Michael Jackson imitieren wollen – man wird es immer als eine Geste der Überheblichkeit, der Siegesgewissheit, der Selbstgefälligkeit in Erinnerung halten.

Und wir sehen Honecker, der Breschnew auf den Mund küsst. Wir sehen Kohl und Mitterrand Hand in Hand vor den Gräbern in Verdun, wir sehen Brandt in Warschau knien. Und da erkennen wir, dass es die Gesten und die symbolischen Handlungen sind, die Berühmte unsterblich machen.

Es ist eine überwiegend politische Ausstellung, was bei einer Schau der Stiftung des Hauses der Geschichte nicht überrascht. Sie zeigt auch die subtilen Zeichen der Macht. So kann in deutschen Ministerien nicht jeder zu dem Stift greifen, der gerade rumliegt. Wo kämen wir auch dahin? So kann der Besucher in der „Anlage 2“ zu „§13 Absatz 2 GGO“ unter dem Abschnitt „Geschäftsgangvermerke“ die folgende Regelung nachlesen: Der Bundesminister nutzt den Grünstift, den parlamentarischen Staatssekretär erkennt man am Violettstift, der Staatssekretär schreibt mit rot und der Abteilungsleiter blau. Die Farblehre hat natürlich Tradition, 1926 dachten sich einige Bürokraten die Farbhierarchie und die Rangfolge Grün-Rot-Blau aus. Die Kanzlerin schreibt im übrigen auch mit Grün.

Museum in der Kulturbrauerei, Knaackstrasse 97, Di-So 10 bis 18 Uhr, Do 10 bis 20 Uhr, Eintritt frei