Geschichte

Der Kalte Krieg in der Kirche

Finanzminister Schäuble und Historiker Winkler stellen die „Geschichte des Westens“ vor

Der Finanzminister kommt zuletzt. Hinter einem Sicherheitsmann, der erst den Kirchenraum mit den Augen checkt und dann etwas in das unter dem Sakkorevers angebrachte Mikrofon spricht, wobei er den Kopf schief halten muss, erscheint Schäuble. Der Bundesfinanzminister, der schon unter Bundeskanzler Helmut Kohl im Kabinett saß, bewegt seinen Rollstuhl selbst. Lediglich an der Rampe, die zum erhöhten Podium führt, lässt er sich kurz schieben.

Er ist am Mittwochabend zum Gendarmenmarkt gekommen, um gemeinsam mit dem Historiker Heinrich August Winkler dessen neues Buch „Geschichte des Westens. Vom Kalten Krieg zum Mauerfall“ vorzustellen.

Die Französische Friedrichstadtkirche ist gut gefüllt, lediglich ein paar reservierte Plätze im vorderen Teil bleiben frei. Verleger Wolfgang Beck lässt sich krankheitsbedingt entschuldigen, ein Lektor vertrat ihn und tat das, was Lektoren gerne tun: Er lobte den Autor. Anfang 2015 soll dessen vierter und abschließender Teil, die „Zeit der Gegenwart“ erscheinen. Darauf kommt auch Winkler mehrfach zu sprechen. Immer dann, wenn der Moderator versucht, die Bogen zu aktuellen Themen wie Putin und die Ukraine-Krise zu spannen.

Auch Schäuble hält sich bei diesem Thema sehr zurück, sagt fast entschuldigend, dass er als Mitglied der Bundesregierung seine „Worte genau wägen müsse“. Das Publikum spendet Szenenapplaus, wenn das atlantische Bündnis als Garant für Freiheit und Menschenrechte erwähnt wird. Winkler hält das Mikrofon mit beiden Händen umklammert, wenn er redet. Angesichts der aktuellen Krisen könnte es sich noch herausstellen, dass der „der Triumph unserer Ideen sehr viel oberflächlicher als gedacht“ sei.

Ein Gespräch zwischen dem Politiker und dem Historiker, die altersmäßig nur vier Jahre trennt, entsteht nicht wirklich. Schäuble erzählt ein paar Anekdoten, wie die, dass er in seiner Zeit als Innenminister in Bonn immer seinen Vertreter zu den Übungen in den Atomschutzbunker geschickt hat, denn dafür hätte er keine Zeit gehabt.

Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens. Vom Kalten Krieg zum Mauerfall C.H.Beck, 1258 S., 39,95 Euro