Bühne

Fliegen können sie: Eine Show für Freunde der Artistik

Chamäleon Theater feiert sein zehnjähriges Jubiläum

„Mein Name ist Iza, und das ist unser Zirkus.“ Mit diesen Worten begrüßt die dänische Sängerin Iza Mortag Freund das Premierenpublikum am Sonntagabend im Chamäleon Theater und nimmt die Besucher mit auf eine Reise ins Wunderland des zeitgenössischen Varietés. „Crossroads“ heißt die Show in der artistischen Wunderkammer in den Hackeschen Höfen, und sie will als wilde Mischung aus Cabaret und Punk, Elektrobeats und Tanz, Schauspiel und Akrobatik das Varieté-Genre in einer Show vereinen.

Das funktioniert diesmal nur bedingt. „Crossroads“ ist eine Ko-Produktion des Chamäleons und der australischen Kompanie Circa. Deren Regisseur Yaron Lifschitz hat hier bereits zwei Erfolgsproduktionen auf die Bühne gebracht. Bei dieser dritten muss man nun feststellen: Sie gleichen sich doch sehr. Wieder sind es sechs internationale Artisten, die im Fluss einer imaginären Geschichte ihre große Kunst ausstellen.

Gefeiert wird an diesem Abend auch ein Neuanfang. Auf den Tag genau vor zehn Jahren eröffnete das neue Chamäleon. Nach einer Insolvenz gingen im September 2004 die Lichter wieder an. In einem im klassischen Jugendstil renovierten und technisch aufgepeppten Haus, das nun von der neuen Chamäleon Theater GmbH bespielt wurde.

Die neue Show „Crossroads“ ist das Geburtstagsgeschenk des Chamäleons für sich und seine Gäste. Auch diesmal ist das Ensemble erstklassig, allen voran die australische Kraftartistin und Hula-Hoop-Meisterin Freyia Edney. Doch der Abend kommt nicht richtig auf Touren. Sängerin Iza stakst auf mörderisch hohen Plateauschuhen als exzentrisch-manirierter Vamp über die Bühne. Sie ist sozusagen der rote Faden, der das zirzensische Gebilde zusammen hält. Ihr Gesang ist jedoch gewöhnungsbedürftig. Sie hat die Gabe, wie ein leicht verstimmtes Klavier zu klingen. Dann wieder kreischt sie sich in Avantgarde-Punk-Manier in höchste Höhen. Das ist mitunter imponierend, bei ihrer Version von Brecht/Weills „Surabaya Johnny“ dann ernüchternd.

Brillant sind die artistischen Leistungen. Die finnische Luftakrobatin Saara Ahola schwebt in atemberaubendem Tempo mitten im Saal am Trapez über den Köpfen der Zuschauer. Der Italiener Luka Forte und der Australier Scott Grove wiederum überzeugen mit kraftvoller Handstand- und Bodenakrobatik. Doch dieser Abend läuft nicht rund. Er bleibt bei allem Anspruch eine ambitionierte Nummernrevue.