Theater-Kritik

Scherz statt Schmerz: Büchner-Blödelei an der Schaubühne

Hier kurz und bündig Volkes Stimme: „Ziemlich zum Einpennen, zwischendurch aber zum Totlachen.“

Ist nicht erfunden; sagte beim Rausgehen aus der Schaubühne nach der Premiere von „Leonce und Lena“ ein junger Kerl. Dem wäre beizupflichten, wobei es bei unsereins höchstens zu gelegentlichem Grinsen reichte. Dabei ist Regisseur Patrick Wengenroth eine gestandene Ulknudel, eine ranschmeißerische Popröhre, die liebend gern seine Lieblingshits ins Mikro rockt. Lustig! Doch Wengenroth, das Theatertier, ist auch ein wirklich geistreich-ironischer Unterhalter, der höchst erhellend und gewitzt in den Hirnen diverser Geistesgrößen herumfuhrwerkt – zum Beispiel Schiller, Nietzsche, Brecht.

Diesmal also Büchner. Was der ziemlich zynisch Lustspiel nennt, umspielt fein poetisch die Ohnmacht des Lebens gegenüber seinen Zwängen, dem bösen „Zurechtstutzen“ des einzelnen zum „nützlichen Mitglied der Gesellschaft“. Und es beschwört die Allmacht des allgegenwärtigen Todes, der letztlich alles sinnlos macht. Es ist die ins Absurde zielende, mit Melancholie übergossene große Komödie zweier Königskinder, die sich in einer in Blödigkeit erstarrten Welt unendlich langweilen und in einem – höchst modernen – Lebensgefühl zwischen Nihilismus und Aufbegehren umherstreifen.

Unglücklicherweise meint der Regisseur, alldem mit Mätzchenmachen und Herumblödeln beikommen zu können. Auf einer gefährlich schrägen Riesendrehscheibe (Bühne: Mascha Mazur) lässt er die wunderbaren Protagonisten Jule Böwe und Ulrich Hoppe ihre wunderbaren Texte hersagen. Und immer, wenn sie ernstlich miteinander zu spielen anfangen, müssen sie gequält weiterwurschteln zur nächsten albernen Nummer.

Büchner bloß als Stichwortgeber fürs poppig-neckische Aufmotzen zweier Twens, für deren Weltschmerzerei. Also kein Schmerz. Und kein Grauen, Träumen, Trauern. Nur Langeweile mit hin und wieder Kichern. Büchner im süßen Blödel-Format. Doch da ist ja noch immer die ungeheure Kraft seiner unsterblich schönen Worte, die jegliche Theaterei überstrahlt.

Schaubühne am Lehniner Platz, Wilmersdorf, Nächste Termine: 7. & 20.9.