Geschichte

Deutsch-polnische Koproduktion zum Zweiten Weltkrieg

Auch Roman Polanski und Andrej Wajda erinnern sich

Eigentlich läuft der Film ja einen Tag zu spät, aber dafür gibt es zwei Teile: Das ZDF zeigt am heutigen Dienstag den ersten Teil der Doku „Zweiter Weltkrieg“, der zweite wird eine Woche später ausgestrahlt. Parallel läuft der Film auch im polnischen Fernsehen. Über den Kriegsverlauf und seine Folgen gibt es schon viele Filme, „in Polen wie in Deutschland“, sagt Stefan Brauburger, Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte, „doch allzu selten noch sind Schritte gemeinsamer Aufarbeitung und Erinnerung – über die historischen Gräben hinweg. Wir wollen einen solchen Schritt zusammen mit unseren polnischen Partnern gehen.“ Und Andrzej Godlewski, stellvertretender Programmdirektor des polnischen Senders TVP1, fügt hinzu: „Wenn Deutsche und Polen mit denselben Inhalten, Bildern und Zeitzeugen gemeinsam an dieses dunkle Kapitel ihrer Geschichte erinnern, so ist das ein wichtiger Schritt gegen das Vergessen und für die gegenseitige Verständigung.“

Die deutsch-polnische Koproduktion zeigt in einer Mischung aus Archivaufnahmen, Einschätzungen von renommierten Historikern, Zeitzeugenberichten und szenischen Umsetzungen den Weg zum Überfall auf Polen und die Hintergründe. Prominente Zeitzeugen wie die Regisseure Roman Polanski und Andrej Wajda schildern ihre Erinnerungen an den Kriegsausbruch genauso wie ein deutscher Pilot, der am 1. September 1939 das Dorf Wielun bombardierte.

Mit Steinen beworfen

Ian Kershaw, der Verfasser der als Standardwerk geltenden Hitler-Biografie, charakterisiert in „Zweiter Weltkrieg“ den Unterschied zu vorangegangenen bewaffneten Auseinandersetzungen so: „Dieser Krieg war völlig anders als jeder Krieg zuvor. Denn in seinem Kern barg er den Völkermord.“ Anzeichen dafür, dass es den Nazis um mehr als einen Eroberungsfeldzug ging, gab es auch für Zeitzeugen wie Budzimira Wojtalewicz, damals Angehöriger der polnischen Minderheit in der Stadt Danzig: „Man hat uns mit Steinen beworfen, wenn wir in Pfadfinderuniformen auf der Straße waren, hat uns als ‚polnische Schweine’ beschimpft.“

Wajda erzählt vom Abschied von seinem Vater, einem Offizier der polnischen Infanterie, den er nach der Einberufung nie wieder sah. Herschel Glanz war eines der letzten jüdischen Kinder, die vor Kriegsausbruch mit einem „Kindertransport“ nach Großbritannien ausreisen durften. Er erzählt, dass seine Mutter ihn beruhigt hätte, der Rest der Familie würde bald nachkommen. Glanz’ Eltern und sein jüngerer Bruder wurden in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern ermordet. Die Mischung aus historischer Einordnung und persönlichen Schicksalen zusammen mit teils noch nie gezeigten Archivaufnahmen machen „Zweiter Weltkrieg“ zu einer sehr eindringlichen Dokumentation.

ZDF, heute 20.15 Uhr