Film

Fatih Akins Armenier-Drama in Venedig

Regisseur Lars von Trier meldet sich beim Filmfestival zurück

Es ist noch immer ein heikles Thema, auch Deutschland spricht nicht offiziell von einem Völkermord: Das Schicksal Hunderttausender Armenier ist in Teilen der Türkei weiterhin ein Tabu. Nun aber verschafft der deutsch-türkische Regisseur Fatih Akin, 41, den Opfern eine große Öffentlichkeit: Sein mit Spannung erwarteter Spielfilm „The Cut“ feierte bei den Internationalen Filmfestspielen Venedig im Wettbewerb Premiere. „Es ist dieses gefährliche, verbotene Tabu-Thema“, sagte der in Hamburg lebende Filmemacher in Venedig. „Immer wenn etwas verboten ist, werde ich hellhörig.“

Dem Film ist anzumerken, wie wichtig Akin das Thema ist. Er drehte hauptsächlich auf Englisch, um ein möglichst großes Publikum zu erreichen, und inszenierte das Drama als epischen Western in großen Totalen – das hat optischen Reiz. Und doch hat Akin seine eigentliche Geschichte dabei etwas aus den Augen verloren. Seinen Protagonisten schickt er auf eine jahrelange Odyssee durch diverse Länder. Bei den Vertreibungen hat er seine Familie verloren, erfährt aber, dass seine Töchter noch am Leben sein sollen. Türkei, Libanon, Kuba, USA – auch wenn Akin Vergewaltigungen, Zwangsarbeit und Massenmorde zeigt, verliert Nazarets Suche mit immer mehr Stationen an Intensität und Dramatik. Spannend ist bei diesem Abschluss von Akins Trilogie um Liebe, Tod und Teufel allerdings die Darstellung der Hauptfigur, gespielt vom Franzosen Tahar Rahim: Weil ihm bei einem Massaker der Hals aufgeschnitten wird, bleibt Nazaret von nun an stumm. Ein einprägsames Symbol für die Sprachlosigkeit von Opfern von Gräueltaten.

Al Pacinos Lande-Metapher

Den deutlich größeren Jubel bekam Hollywoodstar Al Pacino. Der Oscar-Preisträger lief gleich für zwei Premieren über den roten Teppich. Im Wettbewerbsbeitrag „Manglehorn“ trauert er einer verlorenen Liebe nach, während er in der außer Konkurrenz gezeigten Philip-Roth-Adaption „The Humbling“ einen alternden Schauspieler am Ende seiner Karriere gibt. Parallelen zum eigenen Leben sah der 74-Jährige dabei nicht, Aufhören ist für ihn keine Option. „Das Flugzeug landet noch nicht“, sagte er in Venedig, „das ist zwar keine schöne Metapher, aber ich kann es gerade nicht anders ausdrücken.“

Auch Lars von Trier hat sich nach langer Zeit wieder öffentlich geäußert – wenn auch auf seine spezielle Art. Zur Pressekonferenz seines Films „Nymphomaniac II“ war er über einen Computerbildschirm zugeschaltet und beantwortete drei Fragen per Telefon. Seine Stimme war aber nur durch das Handy seines Darstellers Stellan Skarsgård zu hören. Lars von Trier sorgte 2011 für einen Eklat beim Festival in Cannes, als er auf der Pressekonferenz seines Films „Melancholia“ sagte: „Ich bin ein Nazi.“ Er wurde vom Festival ausgeschlossen. Der Däne entschuldigte sich später für seine Äußerungen und erklärte, sich nicht mehr vor großem Publikum zu äußern.