Kabarett-Kritik

Berlins lustigster Mediziner erfüllt sich einen Traum

Von Eckart von Hirschhausen weiß man, dass er seine Witze-Karriere damit begann, dass er als Grundschüler auf der Schreibmaschine Witzzettel zusammengeschrieben habe, die er „Eckis Witzeblätter“ nannte.

Dann kam ihm ein Medizinstudium dazwischen, er promovierte über die „Wirksamkeit einer intravenösen Immunglobulintherapie in der hyperdynamen Phase der Endotoxinämie beim Schwein“. Zum Ausgleich dieser ernsten Thematik trat er aber auch damals schon immer im Kabarett auf. 1996 wurde er von Jürgen von der Lippe bei „Geld oder Liebe“ entdeckt, mehrere Beststeller und eigene Talk-Shows später füllt von Hirschhausen jetzt tatsächlich die Waldbühne. Na ja, fast. 9500 Neugierige sind gekommen, der Waldbühnen-Oberrang bleibt unbemannt.

Mit Trockeneisnebel, einer Dance-Version von „Wunder gibt es immer wieder“ und einem Kameramann kommt er im blauen Anzug auf die Bühne. Von Hirschhausen, man glaubt es kaum, ist sichtlich aufgeregt. „Das ist der Höhepunkt meines künstlerischen Schaffens“, sagt er. „Mein Erntedankfest.“ Seit seiner Kindheit – zu Zeiten von Eckis Witzeblatt also – habe er sich erträumt hier aufzutreten. Er zeigt ein Foto, wo er mit seiner Schwester Kasperletheater gespielt hat. Gruß ans Publikum. Seine Familie ist da. Er stottert. Sucht mal ein Wort.

Es ist, wie so häufig, wenn ein Comedian, der eigentlich zu Haus auf den 200-Mann Kabarett-Bühnen ist, plötzlich Arenen füllt, die eigentlich großen Bands und großen Sängern vorbehalten sind. Dann werden sie ein wenig demütig, dass sie und ihr oft schon Jahre alter lustiger Vortrag – Eckis Programm „Der Wundheiler“ lief auch 2013 schon mal genauso in der Udk – womöglich nicht genug sein könnte. Ein Mario Barth, der Ecki für Nicht-Akademiker, der zwei Mal hintereinander das Olympiastadion füllt, lässt sich dabei von DJ Bobo und Feuerwerk begleiten. Und von Hirschhausen? Er kommt mit Basta, einer A-cappella-Comedy-Band und der Denglisch-Komödiantin Gayle Tufts – mit der er zu Pharell Williams „Happy“ einen Discofox hinlegt. Das Waldbühnen-Publikum, laut Handzeichen besteht es zu zwei Dritteln aus Menschen aus Medizin- oder Pflegeberufen, bekommt rote Ballons zum hin und her werfen, während ihr Lieblingsarzt „Heile, heile Gänschen“ oder „Sim saladim bam ba saladu saladim“ singt.

Später rät von Hirschhausen dazu, zum Yoga zu gehen: „Da machen interessante Frauen Dinge, da bettelt man in der Ehe für.“ Eine Hirschhausen-Show ist schon so eine Art Gruppentherapie, in der, wann immer es geht, eine andere Version Katja Ebsteins „Wunder gibt es immer wieder“ gesungen wird. Nach zweieinhalb Stunden musikalisch verlängerter Heiler-Witzelei kann sich das Publikum am Merchandising-Stand, der hier „Reiseapotheke“ heißt, noch mit Hirschhausen-Literatur und CDs eindecken oder auch Pinguine mit roter Stoffnase erwerben. Wenn es der Genesung dient.