Musik

Niels Frevert singt von Hamstern und bunten Halstüchern

Niels Freverts neues Album heißt „Paradies der gefälschten Dinge“.

Toller Titel schon mal. Frevert findet das Paradies der gefälschten Dinge unter anderem auf dem Kirchentag. Da, wo alle happy sind, singen und teilen, lässt er ein Ufo landen, dem einer entsteigt, der zumindest vom Aussehen her entweder James Dean oder tatsächlich Jesus sein könnte. Leider spielt er eben diesen Song, der „Ufo“ heißt, heute Abend nicht. Man darf Freverts Konzert ganz exklusiv im Fluxbau erleben.

Es geht pünktlich um 22 Uhr los, Niels Frevert steht an der Gitarre, wird am Klavier begleitet. Exklusiv ist der Abend vor allem für die ersten Reihen. Weiter hinten sieht man nämlich nichts mehr, kann aber gut hören, wie Frevert vornehmlich über Liebe und so singt. Er erzählt von Muscheln, von Mama, die auf den Anrufbeantworter quatscht und von Geigen, die am Himmel heulen. Neue und alte Songs kündigt Frevert an, er spricht leise und schmachtet bei allen Ansagen ein bisschen, passend zum gefühligen Abend. „Paradies der gefälschten Dinge“ ist Freverts fünftes Album und außer seinen schönen Texten, die mit gehobenem Mainstream, intellektuellem Pop oder abgeklärter Alltagsnähe umschrieben worden sind, ist einiges neu. Eine neue Plattenfirma gibt’s (Grönland Records, das Label von Grönemeyer) und auch die Konzertagentur ist jetzt eine andere.

Bald kommt die Tour zum Paradies. Dazu passt eine Zeile aus Freverts Song „Das mit dem Glücklich sein ist relativ“. Nämlich die, in der Frevert „jetzt nur nicht die Chance verpassen“ singt. Die Episode im erwähnten Stück endet tragisch, weil die Frau, der im Song ein Heiratsantrag gemacht wird, lapidar „Frag mich noch mal wann anders“ sagt. Wenn jemand zum Frevert-Konzert einlädt, sollte man sich daran kein Beispiel nehmen. Und in jedem Fall hingehen zu dem Songschreiber, der einem so schöne Geschichten von Hamstern und bedruckten Halstüchern erzählen kann. „Im Dezember komme ich ins Lido“, richtet Niels Frevert aus. Dann mit Band und er wird hoffentlich richtig viel von der neuen Platte spielen.