Konzert-Kritik

Mit Gitarre auf der Ritterburg

Altrocker Ritchie Blackmore zelebriert seichte Mittelalterschlager im Admiralspalast

Ritchie Blackmore ist der ehemalige Gitarrist der legendären Rockband Deep Purple – aber das ist fast 40 Jahre her. Trotzdem darf dieser Hinweis in keinem Text über sein gar nicht mehr so neues Leben fehlen. Sein Leben als, ja was eigentlich? Barde? Gitarre schwingender Robin Hood mit Vokuhila-Frisur? Durchgeknallter Lautenspieler in engen Beinkleidern? Schwer zu sagen, was ihn treibt. Die musikalische Karriere von Blackmore an der Seite der nicht untalentierten Sängerin Candice Night, die gleichzeitig seine wesentlich jüngere Frau ist, hat mit Deep Purple und auch mit Rainbow, der Band, die Blackmore nach seinem Ausstieg bei Deep Purple gründete, nichts mehr zu tun.

Blackmore tourt lange schon mit seinem Projekt „Blackmore’s Night“ vornehmlich durch Schlösser, Burgen und über Mittelaltermärkte und bietet dort seinen Poprockkitschverschnitt aus Renaissanceklängen, Folklore und Mittelalterromantik feil. Und man staunt: Zwar ist der Admiralspalast nicht ausverkauft, und etliche Gäste verlassen das Konzert vorzeitig, aber es gibt eine doch gar nicht so kleine und eingeschworene Fangemeinde, die das Programm sogar noch in den roten Samtsesseln eines Theatersaales sitzend goutiert. Gern in Knappentracht oder als Burgfräulein verkleidet.

Was auf Mittelalter-Events passen mag, wird auf der mit Pappmaché zu einer Ritterburg dekorierten Schauspielbühne allerdings zu absurdem Theater, ohne dass wirklich klar werden würde, welches Stück gespielt wird. Im Hintergrund werden Videobilder von Stonehenge, Pferdeköpfen oder Sternenhimmeln projiziert, auf der Orgel liegt eine Armbrust herum und das achtköpfige Musikerensemble ist in weite Oberkleider, Blusen und Lederschuhe gekleidet. Selbst der Roadie muss mit spitzem Filzhut auftreten, wenn es ein Mikrofon zu richten gilt.

Eine Art Waldschrat am Bass hüpft neben Blackmore herum, der das Reden seiner blondlockigen Frontfrau überlässt. Die erklärt bei ihrer ersten Ansage, dass sie ja unbedingt in Deutschland habe konzertieren wollen, um den Deutschen zum Fußballweltmeistertitel gratulieren zu können. So etwas nennt man wohl Anbiedern beim Publikum. Wem mit Mittelalterklimbim angerichteter Bühnenzauber genügt, um sich zu amüsieren, der kommt bei Blackmore’s Night auf seine Kosten. Die kostümierten Spielleute bringen Leiern, Zinken, Fideln und Flöten für durchgängig seichte Folkpopsongs zum Einsatz. Originalität beschränkt sich auf Einlagen wie die, das der Schlagzeuger während seines Solos plötzlich aus ein, zwei, drei Flaschen Bier trinkt.

Vielleicht gibt es ja doch einen wichtigen Bezug zu Blackmores Jugend, die ihm allemal einen sicheren Platz in der Popgeschichte verschafft hat. Seine Rockervergangenheit scheint ein perfektes Alibi zu sein für alle, die sich gern in bunte Gewänder kleiden, im Fernsehen niemals das Musikantenstadl gucken würden und trotzdem ihre Sehnsucht nach Schlagerseligkeit zu stillen trachten. Mit Mittelalterschlager eben.