Interview

„Es hat mich echte Überwindung gekostet“

Keira Knightley singt in ihrem neuen Film „Can A Song Save Your Life"

Eine junge Frau sitzt in einer New Yorker Kellerbar und singt sich ihren Kummer von der Seele. Gespielt wird die Singer-Songwriterin Greta in dem romantischen Liebesfilm „Can A Song Save Your Life“ von Keira Knightley. Die britische Schauspielerin feierte mit „Kick it Like Beckham“ ihren Durchbruch, an der Seite von Johnny Depp und Orlando Bloom segelte sie als Piratenbraut im „Fluch der Karibik“ über die Weltmeere und in „Stolz und Vorurteil“ verliebte sie sich in Mr. Darcy. Nach Kostümfilmen wie „Abbitte“ und „Anna Karenina“ ist Knightley in dem Musikfilm „Can A Song Save Your Life“ das erste Mal seit Langem wieder in einem zeitgenössischen romantischen Film zu sehen. Und muss erstmals auch singen. Privat ist die 29-Jährige seit letztem Jahr mit dem Musiker und Klaxons-Frontmann James Righton verheiratet.

Berliner Morgenpost:

Im Film performen Sie einige Lieder. Wie schwer ist Ihnen das Singen vor laufender Kamera gefallen?

Keira Knightley:

Oh, das können Sie sich gar nicht vorstellen. Singen gehört definitiv nicht zu einer meiner natürlichen Kommunikationsarten. Es hat mich echte Überwindung gekostet. Ich habe zwar vor ein paar Jahren schon einmal in einem Film singen müssen, in „The Edge of Love“. Der Film war aber im Stil der 40er-Jahre gehalten, da gehörte das Singen einfach dazu. Die Erfahrung hier war neu. Ich musste in einem richtigen Musikstudio ein Album aufnehmen. Das hat wohl etwas länger gedauert als bei richtigen Musikern.

Haben Sie sich stilistisch an jemandem orientiert?

Nein, das war eine ganz bewusste Entscheidung. Die Songtexte waren immer erst ein paar Tage vor der eigentlichen Aufnahme fertig. Ich hatte also nie wirklich genügend Zeit, um eins zu werden mit den Texten. Ich habe während der Aufnahmen versucht, meine Stimme zu finden, habe mich einfach an meiner Rolle orientiert. Sie selbst ist ja auch keine Performerin. Sie singt einfach gerne für sich selbst, ist schüchtern, mag den Schreibprozess viel lieber als den Gesang.

Haben Sie selbst probiert, einen Song zu schreiben?

Ich bin der wohl unmusikalischste Mensch der Welt. In allen Belangen. Also habe ich die Finger davon gelassen. Zu Musik fühle ich mich einfach nicht hingezogen. Ich höre sie zwar gerne, kann mir aber einfach keine Texte merken. Deswegen wollte ich auch unbedingt den Film machen.

Als eine Art musikalisches Trainingslager?

Wenn Sie es so nennen wollen, ja. Für mich war es der Versuch, ein Gefühl für Musik zu bekommen. Immerhin bin ich mit einem Musiker verheiratet, viele meiner Freunde sind von Musik besessen, mein Bruder spielt in einer Band und ist Tontechniker, meine Schwägerin ist eine Geigenvirtuosin. Ich bin umgeben von musischen Menschen – und ich kann noch nicht mal Noten lesen.

Gibt Ihnen Ihr Mann Nachhilfestunden?

Er spielt mir ab und zu Musik auf mein iPhone, hat aber innerlich wohl schon aufgegeben. Hilfe bekomme ich von einer sehr alten Freundin, wir kennen uns, seit wir elf sind. Seitdem versucht sie meine musikalische Ausbildung zu beeinflussen. Es ist unglaublich, was sie für ein Durchhaltevermögen an den Tag legt, denn sie hat noch immer nicht aufgegeben, obwohl ihre Erfolge mit mir an einer Hand abzählbar sind.

Sie haben nichts gelernt?

Das würde ich jetzt auch nicht sagen. Manchmal fällt es mir wie Schuppen von den Augen, und ich setze Verbindungen zwischen unterschiedlichen Bands und Genres und überrasche alle. Aber das kommt alle Jubeljahre mal vor.

Aber Ihr Durchhaltevermögen ehrt Sie.

Naja, manchmal treibt mich das echt an den Rande des Wahnsinn. Warum kann jeder Mensch mit Musik etwas anfangen, nur ich nicht? Jeder hat Erinnerungen an bestimmte Lieder aus der Jugend, einschneidende Erlebnisse sind mit einem Song verknüpft. Nur bei mir nicht. 2006, als mein Freund sich von mir getrennt hat, hat mich dieses Album gerettet. Zu dem Song habe ich das erste Mal geküsst. Lachen Sie mich nicht aus, aber ich habe an so was Null Erinnerungen.

Hat Ihr Mann Sie bei dem Film unterstützen können?

Er hat versucht, mir das Gitarre-Spielen beizubringen. Er ist gescheitert. Aber unsere Ehe hat das knapp überlebt. Eigentlich ein Wunder. Wir hatten beide Mordgedanken. Es hätte der erste Ehegattenmord der Geschichte mit einer Gitarre als Mordinstrument werden können. Akustik- oder E-Gitarre wäre da sogar egal gewesen.

Was war denn so schlimm?

Ich musste lernen, wie man eine Gitarre hält und es sollte wenigstens ansatzweise so aussehen, als könnte ich sie spielen. Ich konnte aber entweder spielen oder singen. Beides zusammen habe ich nicht hinbekommen. James hatte überhaupt kein Verständnis für meine Unfähigkeit, Gitarrespielen zu lernen.

Ein Duett zwischen Ihnen wird es also erst mal nicht geben?

Erstmal nicht? Ich glaube, das ist etwas, womit Sie nie rechnen können.

Was ist heute auf Ihrer Playlist?

Ich hab keine Ahnung. Ich könnte mir jetzt etwas ausdenken. Zum Beispiel das neue Album meines Mannes.