Inszenierung

Die „Zauberflöte“ farbenfroh und fantasiegeballt

Die Deutsche Oper gastiert mit Mozart in der Waldbühne

Spätsommerlich reif hängt der bewölkte Himmel über der Waldbühne. Doch Mozarts „Zauberflöte“ bleibt regenfrei. Zu Zehntausenden lässt sich das gutgelaunte Publikum auf den Rängen nieder.

Und die gute Laune steigt weiter: Denn die Deutsche Oper wartet mit einer farbenfrohen, fantasiegeballten „Zauberflöte“ auf. Mit einem liebevollen, humorgeladenen Spektakel, das Spielleiterin Gerlinde Pelkowski eigens für die Waldbühne ersonnen hat. Inklusive Breakdance-Einlagen, wiedergeborenem Eisbär Knut und einem Kamel, das mit einem Pinguin kuschelt. Eine erfrischend andersartige Zauberflöte, in der Prinz Tamino zu Beginn von chinesischen Drachen gejagt und verwundet wird. Und danach – man schaue und staune – Liebkosungen von Marilyn Monroe und Catwoman erhält. Mit einem kunterbunten Papageno, der gleichzeitig Fahrrad fahren und singen kann.

Chefdirigent Donald Runnicles lässt das Singspiel gutmütig beleibt fließen. Sein Orchester nimmt die Hälfte der Bühne ein, daneben ragt eine betagte Eiche vor blauem Grund. Kein Platz mehr für die Sänger? Nicht bei Regisseurin Pelkowski. Sie verlagert das Geschehen pfiffigerweise in eine Art Manege vor der Bühne. Dass das Sängerensemble dabei keinen Blickkontakt zum Dirigenten hat, bedeutet die besondere Herausforderung des Abends. Nicht immer gelingt das perfekte Miteinander, doch angesichts überbordender Spielfreude und überraschender Ideen fällt das kaum auf.

Pamina ist ein It-Girl

Eine neu erfundene Rahmengeschichte taucht einige Figuren der „Zauberflöte“ in neues Licht: Sarastro und die Königin der Nacht treffen sich während der Ouvertüre, um von Anfang an gemeinsame Sache machen. Es gilt, die unbedarfte Pamina – ein It-Girl à la Paris Hilton – auf reifende Reisen zu schicken. Elena Tsallagova und Yosep Kang verwandeln sich das liebesentflammte Paar Pamina-Tamino mit romantischer Intensität an. Hila Fahimas Königin der Nacht betört so jung und frisch, dass sie fast Paminas Schwester sein könnte. Und Ante Jerkunicas tiefschwarz erhabener Sarastro passt ziemlich gut zur einfallenden Dunkelheit.

Nach der Pause zeigt Mozarts Wunderwerk dann auch in Pelkowskis Inszenierung Längen. Umso wichtiger, dass Papageno für lustige Zerstreuung sorgt. Trunken vom Wein streift er durch die Publikumsränge. Er klagt über die fiesen Stufen, bietet sich Smartphonebesitzern für Selfies an. Seine Papagena kommt zunächst als alte dralle Putzfrau daher. Auch an diesem Abend fliegen Papageno und Papagena die Sympathien nur so zu. Dass ihnen der meiste Applaus sicher ist, gehört zu den üblichen Ungerechtigkeiten der „Zauberflöte“. Doch diesmal ist Papageno wirklich herausragend: Bei Bariton Simon Pauly verschmelzen Gesang, Schauspiel und komödiantisches Talent zur spektakulären Einheit.