Klassik-Kritik

Nils Landgren mischt lässig Volksmusik mit Jazz und Klassik

Er brennt an allen Enden für die Musik: Nils Landgren, der schwedische Tausendsassa mit der metallic-roten Posaune. Gefeierter Instrumentalist, Sänger, Bandleader.

In allen möglichen Stilbereichen des Jazz, Pop und Rock beheimatet, offen für Ausflüge in die Klassik. Und nicht zuletzt: ein Förderer junger Talente. Nun war er bei Young Euro Classic mit einem selbst entwickelten Crossover-Experiment, einem Zusammentreffen von schwedischen Volksweisen, Jazz und Klassik, zu erleben. Um es vorwegzunehmen: Landgren & Co gelingt ein Höhepunkt des Festivals.

Das Stockholmer Kammerorchester O/Modernt macht den Anfang. Nach und nach gleiten die jungen Streicher auf die noch dunkle Bühne. Wiegen sich in anschwellender schwedischer Folklore, bringen allmählich Licht und Farben in den Raum. Wirbeln schließlich ausgelassen vor rhythmischer Energie. Bereits nach diesen ersten paar Minuten haben die Musiker das Admiralspalast-Publikum auf ihrer Seite. Doch damit nicht genug: Hugo Ticciati, Sologeiger und Leiter des jungen Ensembles, dreht spektakulär in Richtung Klassische Moderne. Brittens Variationen über ein Thema seines Kompositionslehrers Frank Bridge lässt er mit so intensiver Flamme lodern, dass sich das Publikum zu Szenen-Applaus hinreißen lässt.

Das Ensemble „O/Modernt“ („unmodern“ ) lebt vom Neuerfinden. Auf diese Weise wirken auch zwei Sätze aus Piazzollas „Vier Jahreszeiten von Buenos Aires“, als hätte sie der argentinische Komponist den Schweden geradewegs auf den Leib geschneidert. Und Nils Landgren? Er führt lässig durch den Abend, tritt abwechselnd als Posaunist und Sänger in Erscheinung. Stolz präsentiert er die Agnas Brothers, eine kleine Jazzsensation aus Schweden. Max, Mauritz, Kasper und Konrad, vier schlaksige Brüder zwischen 16 und 22 Jahren. Mit abgeklärter Selbstverständlichkeit und coolem Sound begegnen sie Landgrens elegischen Posaunentönen. Es sind eine Handvoll Lieblingsballaden, die Landgren im Admiralspalast mit eindringlicher Klarheit singt und spielt – darunter den bezaubernden Song „Eternal Beauty“ und Mancinis Evergreen „Moon River“.