Leitung

Vater übergibt Sohn die Schlüssel für die Kammeroper

Siegfried Matthus wird zum Abschied in Rheinsberg gefeiert

Nach 24 Jahren an der Spitze der Kammeroper Schloss Rheinsberg hat der Berliner Komponist Siegfried Matthus die künstlerische Leitung an seinen Sohn abgegeben. Vor ausverkauftem Theater überreichte der 80-Jährige am Sonnabend symbolisch den Schlüssel an den 30 Jahre jüngeren Frank Matthus. Das Ensemble und rund 1000 Gäste feierten den scheidenden Leiter im Heckentheater mit stehenden Ovationen. Mit Mozarts „Zauberflöte“ endete zugleich erfolgreich die Festspiel-Saison 2014. Das verregnete Finale erinnerte beiläufig daran, wie der Festspielleiter alljährlich vor den Wetterprognosen zitterte. An diesem letzten Abend verließ das Orchester bereits in der Pause den Orchestergraben, anschließend wurden die jungen Sänger vom Klavier aus begleitet. Das Publikum, die Sänger und auch der scheidende Festspielchef nahmen das aber gelassen hin.

Der 1934 in Ostpreußen geborene Siegfried Matthus war Meisterschüler von Hanns Eisler und einer der großen DDR-Komponisten. Er gründete nach dem Fall der Mauer 1990 die Kammeroper und brachte jeweils in den Sommermonaten junge Sänger mit erfahrenen Opernmachern zusammen. Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigte Matthus als einen international anerkannten Künstler. „Als Komponist von über 600 Werken aller Gattungen und Gründer eines Festivals, das zu den bedeutendsten im Land gehört, hat er wahrlich Großes geleistet“, sagte der Regierungschef. Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos) verwies auf die Verdienste von Matthus bei der Förderung von Nachwuchstalenten. „Siegfried Matthus war der Motor dafür, dass 370.000 Besucher in den vergangenen 24 Jahren nach Brandenburg gekommen sind.“ Vom anwesenden Staatssekretär Martin Gorholt wurde Matthus zum Ehrenmitglied der Kammeroper Schloss Rheinsberg auf Lebenszeit ernannt.

Sein Sohn Frank Matthus, der im September offiziell sein Amt antritt, hat einen Drei-Jahresvertrag und will neue Akzente setzen. Sein Programm will der Regisseur und Schauspieler Ende Oktober in Berlin vorstellen. Er wird im kommenden Sommer Verdis Oper „La Traviata“ im Heckentheater inszenieren. Darüber hinaus ist eine Opernuraufführung nach einem Libretto von Elke Heidenreich geplant. Frank Matthus hatte an der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ studiert und war als Darsteller unter anderem am Berliner Ensemble engagiert. Nach Kino- und Fernsehfilmen wechselte er ins Regiefach und machte bislang rund 75 Inszenierungen.