Geburtstag

Der große Blonde ist längst ein großer Weißer

Pierre Richard, Frankreichs Starkomiker aus den 70er-Jahren, wird heute 80 Jahre alt

Vielleicht ist das Schönste an den Pierre-Richard-Filmen, dass man sich mit ihnen 40 Jahre zurückbeamen kann. In eine Zeit, in der Cordsessel als letzter Schrei galten und Gheorghe Zamfir seine Panflöte behauchte. Natürlich waren es auch die Jahre der RAF und des Vietnamkriegs, aber die kamen in diesen Filmen nicht vor. Als die Agentenkomödie „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ in die Kinos kam, ist Pierre Richard aus Frankreich geflohen. Er hatte den fertigen Film kurz vor dem Kinostart in einer Pressevorführung gesehen und schockiert gedacht: „Das war’s jetzt mit meiner Karriere!“ Als er von den Antillen zurückkam, war er ein Star. Er wurde international herumgereicht.

Richard hat gar nicht erst versucht, das Etikett loszuwerden, das an ihm klebte. Im Gegenteil. Er hat es fleißig bedient. Mit herrlich klamottigen Filmen, die in Deutschland nach dem Erfolgsmuster betitelt wurden. Richard war bei uns „Der große Blonde mit den blauen Augen“, „Der lange Blonde mit den roten Haaren“ oder „Der Sanfte mit den schnellen Beinen“. Er war ein gutmütiger Träumer, der die Katstrophen, die er auslöste oder in die er hineinschlidderte, gar nicht wahrnahm. Im Gegensatz zu Louis de Funès, mit dem man ihn immer wieder verglich, bewegte sich Richard durch seine Filme wie der reine Tor. Während die Figuren von Funès durchaus giftige Züge hatten, staunte und lächelte sich Richard durch alle Kalamitäten durch. Er war das personifizierte Peace-Zeichen der 70er-Jahre.

In den 80ern war er noch gut im Geschäft, in den 90ern riss die Erfolgsserie, in den Nullerjahren war er an charmanten Komödien wie „Paris, Paris“ beteiligt, die zwar nicht an die alten Kassenhits heranreichten, aber die Kritiker entzückten. Der größte Erfolg der letzten Jahre war „Und wenn wir alle zusammenziehen?“, ein heiterer Film über eine eigenwillige Rentner-WG, großartig besetzt mit Geraldine Chaplin, Jane Fonda, und Daniel Brühl. Darin spielte Richard einen in die Demenz abrutschenden alten Mann, der von seinen alten Freunden aufgefangen wird.

Pierre Richard hat politisch immer Sympathien für die Linken gehegt. Er hat einen Dokumentarfilm über Che Guevara gedreht, Fidel Castro auf Kuba getroffen und sich ein Hausboot auf der Seine angeschafft. Seit Mitte der 80er-Jahre besitzt er ein Weingut im Languedoc. Dort verbringt Pierre Richard, der am heutigen Sonnabend 80 Jahre alt wird, seine Sommer. Dann signiert er die Etiketten, die einen großen Blonden zeigen, der mit einer Rotweinflasche das Weite sucht.