Filmstart

„Hundehaufen gehören zum Leben“

Der Brite Simon Pegg über Elefanten, seinen neuen Film und sein ganz persönliches Glück

Simon Pegg ist der Nerd vom Dienst. Der britische Filmkomiker wurde bekannt als ewiges Kind in Filmen wie „Shaun of the Dead“, „Hot Fuzz“ und „The World’s End“, die er alle mit seinem Kumpel Nick Frost schrieb und als „Cornetto-Trilogie“ in die Annalen eingingen. Der 44-Jährige spielt aber auch in Blockbustern wie „Mission: Impossible“ und der neuen „Star Trek“-Reihe. Mit der Bestsellerverfilmung „Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück“, die jetzt im Kino läuft, will er beweisen, dass er auch ernsthafter sein kann. Die deutsch-kanadische Koproduktion mit internationaler Starbesetzung hat er in Berlin präsentiert. Wir trafen ihn dort im „Waldorf Astoria Hotel“. Ein Gespräch über Glück, Snowboarden mit Tom Cruise und Elefanten.

Berliner Morgenpost:

Willkommen zurück in Berlin, Herr Pegg. Sie waren ja erst vor ein paar Monaten hier.

Simon Pegg:

Ja. Und ich bin froh, wieder hier zu sein. Berlin ist so nah. Und eine so großartige Stadt.

Aber haben Sie denn auch Zeit, sich hier ein bisschen umzuschauen?

Nö. Aber ich hab’ eine prima Aussicht! Ich kann von meinem Fenster aus Elefanten sehen. Mein Zimmer ist im 15. Stock, da liegt mir der Zoo zu Füßen. Das ist Wahnsinn. Das letzte Mal, dass ich Elefanten sah, war in Afrika, als wir „Hectors Reise“ drehten. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das als Nächstes in einer Stadt wie dieser passiert.

Um ein Haar wäre „Mission: Impossible 3“ auch in Berlin gedreht worden. Jetzt steht der fünfte „M:I“-Film an. Sind Sie neben Tom Cruise wieder mit dabei?

Ende des Monats, ja. Ich weiß noch gar nichts. Ich habe noch kein Drehbuch gesehen, ich habe keine Ahnung, worum es geht.

Und haben trotzdem zugesagt?

Das nennt man Vertragsverpflichtung. Als ich für meinen ersten „M:I“-Film unterschrieb, galt das gleich für eine Reihe möglicher Fortsetzungen mit. Ich hatte also keine Wahl. Das ist der Preis, den du zahlst. Aber hey, das ist kein hoher Preis. Ich bin sehr froh, dass ich das getan habe. Ich liebe es, mit Tom zu arbeiten. Außer Tom und Ving Rhames bin ich der Einzige, der in mehreren Teilen mitspielt. Und diese Riesenfilme machen echt Spaß.

Wie schaffen Sie es, bei all den Franchises, zwischendurch auch noch Filme wie „Hectors Reise“ zu drehen?

Das schaff’ ich schon noch! Blockbuster wie „Mission: Impossible“ oder „Star Trek“ werden alle drei, vier Jahre gedreht. Da gibt’s noch Luft dazwischen. Alles eine Frage des Zeitmanagements. Natürlich möchte ich auch kleine, persönlichere Filme drehen, die vielleicht etwas gehaltvoller sind, wo es nicht nur um Popcorn-Unterhaltung geht. So wie „Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück“.

Hector ist bisher Ihre erwachsenste Rolle. Werden wir künftig einen anderen, ernsteren Simon Pegg erleben?

Das wäre schön. Und so ist es zumindest angedacht. Ich habe wirklich viele Komödien gemacht. Und irgendwann nehmen dich die Leute nicht mehr ernst. Das ist jetzt eine Chance, den Leuten zu zeigen, ich kann auch anders. Wenn die Leute mich lassen. Was sie nicht immer tun.

Eine Frage, die sich bei Ihrem neuen Film aufdrängt: Sehen Sie sich als glücklichen Menschen? Und wenn ja, war es eine lange Reise, das zu erkennen?

Oja, ich betrachte mich als glücklichen Menschen. Und das war eine 44-jährige Reise. Wir kommen zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten zu dieser Erkenntnis, manche ganz früh, manche nie. Es geht darum herauszufinden, wo dein Platz im Universum ist. Das ist gar nicht so spirituell, eher pragmatisch.

Und wann haben Sie Ihr Glück erreicht?

Ich wurde happy, als ich mich festgelegt habe. Das klingt ja erst mal fürchterlich. Aber nach vielen Jahren, die ich so vor mich hingelebt hatte, hatte ich plötzlich ein Kind. Ich musste Verantwortung übernehmen. Du musst dich nicht mehr fragen, wozu du auf der Welt bist, was deine Bestimmung ist. Plötzlich hast du deine Bestimmung in Händen. Die Arbeit allein würde mich nicht ausfüllen. Ich kenne viele, die von einem Job zum nächsten rennen und gar kein anderes Leben mehr haben. Vielleicht macht sie das glücklich, vielleicht laufen sie auch nur vor etwas davon. Keine Ahnung. Ich könnte das nicht. Ich liebe mein Alltagsleben. Ich möchte den Hundehaufen meines Hundes auflesen, wenn Sie verstehen, was ich meine. Das ist kein Hobby, aber es gehört dazu. Ich möchte nicht, dass das jemand anderes für mich macht.

Was macht Sie glücklich?

Kurzfristig: Snowboarding. Und langfristig: Zeit mit meiner Familie verbringen. Das verschafft mir tiefe Momente des Glücks.

Tom Cruise hat Ihnen ein Snowboard geschenkt.

Stimmt. Das darf ich aber nicht benutzen, wenn wir drehen. Aus Versicherungsgründen.

Und was macht Sie unglücklich?

Nicht snowboarden zu dürfen. Aus Versicherungsgründen. (lacht) Nein, im Ernst: Inaktivität. Ich liebe es zu arbeiten. Ich bin ein aktiver Mensch. Ich muss immer etwas tun. Und was mich im Moment sehr unglücklich macht, ist Zeitunglesen. All diese schrecklichen Nachrichten, all die fatalen Auswirkungen, weil ein paar kleine extreme, aggressive Gruppierungen anderen ihren Glauben aufzwingen wollen und dafür Leben zerstören. Ich hoffte, wir wären darüber hinweg. Sind wir aber nicht.

Sie sind für den Film um die halbe Welt gereist. Können Sie jetzt sagen, in welchem Land die glücklichsten Menschen leben?

Ich würde sagen, Afrika. Ich habe in den Townships mehr Lächeln gesehen als in London, wo alle so miesepetrig herumlaufen. Das mag sich vielleicht seltsam anhören, aber so ist es.

Und wie erklären Sie sich das?

Vielleicht geht es uns in unseren westlichen Wohlstandsgesellschaften einfach zu gut. Wir haben so viele Dinge, so viel Wahlmöglichkeiten. Andere Völker sind da viel verzweifelter. Da geht es mehr ums Überleben als ums Leben. Aber die haben dafür ein klareres Verständnis dafür, was Glück ist. Es ist einfach zu sagen, wer nichts hat im Leben, ist besser dran. Aber ein bisschen ist da schon dran.

Ist das komisch für Sie, dass Sie jetzt plötzlich lauter Fragen übers Glück gestellt bekommen? Als wären Sie ein Glücksexperte?

Ja, seit ich den Film gemacht habe, rede ich ständig darüber. Aber ich musste mir deshalb auch viele Gedanken darüber machen. Ich bin jetzt etwas flüssiger im Thema. Und auch demütiger. Wenn du ständig gefragt wirst, was dich glücklich macht, merkst du, wie viel Glück du doch hast.