Thriller

Etwas unausgegoren: Der erste Krimi von Isabel Allende

Für Jack the Ripper ist es der Ehre zu viel:

Der soziopathische Killer der britischen Geschichte wird Namensgeber einer krimibessenen Gruppe amerikanischer Jugendlicher unter Leitung von Amanda, einem introvertierten Teenie. Sie treffen sich regelmäßig im Internet, um fiktive Verbrechen zu untersuchen. Doch plötzlich wird aus dem Spiel Ernst. Der Ripper-Club macht es sich zur Aufgabe, eine Serie von realen Morden aufzuklären, die San Francisco erschüttern. „Amandas Suche“ ist Isabel Allendes Krimi-Debüt.

Dass sich die Chilenin, die seit Jahren in San Francisco lebt, ausgerechnet an diesem Genre versuchte, geschah auf Initiative ihrer Agentin. Eigentlich wollte sich die Autorin („Das Geisterhaus“), die am 2. August ihren 72. Geburtstag feierte, zur Ruhe setzen, denn sie hat schon fast alles erreicht. Mehr als 50 Millionen verkaufte Bücher sprechen für sich. Ein Thriller aber war noch nicht darunter und deswegen Anreiz genug.

Es gibt vieles in diesem jüngsten Buch, das an frühere Werke erinnert: Eine starke Frau steht im Mittelpunkt. Es gibt eine Vielzahl von Protagonisten, die alle sehr eigenwillig sind. Die Handlung ist ein bunter Reigen außergewöhnlicher Ereignisse. Das Ganze ist – wie so oft – kräftig angereichert mit Magie und Übersinnlichem. Nicht zuletzt bedient sich Allende auch hier wieder ihrer schönen, an Metaphern reichen Sprache. Vom Spannungsaufbau versteht die Romanautorin ebenfalls eine Menge. Und doch: Wer sich in die Riege von Kriminalautorinnen einreiht, die ihre Beweisführung vor allem auf die psychologischen Hintergründe der Protagonisten aufbaut, muss sich Vergleiche gefallen lassen. „Amandas Suche“ ist weit entfernt von der Raffinesse tiefgründiger Psycho-Thriller einer Patricia Highsmith oder auch einer Ruth Rendell.

Bob, der Vater des Mädchens, ist Chefinspektor der Polizei. Dass seine Tochter ihm bei den Ermittlungen immer eine Nasenlänge voraus ist, könnte lustig sein. Ist es aber nicht, da die meisten ihrer Erkenntnisse und die ihrer Ripper-Truppe von Bob stammen. Die Morde, die sich als rituelle Hinrichtungen entpuppen, und ihre Aufklärung enthalten alles in allem zu viele Ungereimtheiten. Sollte der Ripper-Club noch ein weiteres Mal zuschlagen, gibt es jedenfalls noch reichlich Luft nach oben. Aber: Unterhaltend ist sein erster Einsatz allemal.

Isabel Allende: Amandas Suche, Suhrkamp Verlag Berlin, 479 Seiten, 24,95 Euro