Bühne

Till Eulenspiegels lustige Streiche im Admiralspalast

Young Euro Classic-Festival im nicht optimalen Ausweichquartier

Die zweite Hälfte des Festivals Young Euro Classic wurde am Freitag im Admiralspalast eröffnet – ein akustisch nicht optimaler Raum, gewiss. Mit Vorhängen, mit riesigen, schräg vom Schnürboden hängenden Spiegeln sowie mit Stellwänden wird dem Orchesterklang, der sich in der Tiefe des Bühnenraums zu verlieren droht, auf die Sprünge geholfen. Ein wenig fein eingesetztes elektronisches Sounddesign scheint auch eine Rolle zu spielen.

Die kosmetischen Klangkorrekturen haben sich gelohnt. Das Joven Orquestra Nacional de España, das spanische Jugend-Nationalorchester ist ein atemberaubendes Ensemble, das es mit der entsprechenden deutschen Formation, dem Bundesjugendorchester, in allen Belangen locker aufnehmen kann. Und Lutz Köhler, Berliner Dirigierprofessor und ein erfahrener Orchestererzieher, hat es anlässlich des Konzerts für wirklich schwere Brocken der Orchesterliteratur fit gemacht: Entsprechend dem Richard-Strauss-Jubeljahr stehen zu Beginn „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ auf dem Programm. Hier erringt das Orchester gleich einen Achtungserfolg, so hochkonzentriert wie es in die slapstickhafte, kleinteilige Gestik des jungen Strauss einsteigt. Souverän werden die höllisch schweren Streicherpassagen, das berühmte Hornthema und die schrillen Trompetentöne bewältigt – wer Strauss spielen kann, kann im Orchester das meiste andere auch, das ist die gängige und nicht ganz unberechtigte Meinung unter Profimusikern.

Das hier uraufgeführte Stück „Maui“ des spanischen Komponisten Alejandro Moreno (geboren 1962) ist von anderer Natur als die Werke von Richard Strauss. Technisch arbeitet es sich auf den rhythmisch diffizilen Spuren von Strawinski und Bartók an anspruchsvollen orchestralen Standardsituationen ab, musikalisch ist es nicht unbedingt visionär, aber höchst gewitzt. Recht bärbeißig werden höchst entfernte Instrumentengruppen kombiniert, um die Charaktere und Mythen um Maui, einen Gott der australischen Ureinwohner zu schildern.

Auch die „Sinfonia sevillana“ des spanischen Strauss-Zeitgenossen Joaquín Turina wird souverän bewältigt, wenngleich sie gegen die Ausdrucksvielfalt des Moreno- und des Strauss-Stücks ein wenig abfällt. Wiederum brillant, mal tänzerisch elegant, mal gewollt tölpelhaft wie der dicke Baron Ochs von Lerchenau im „Rosenkavalier“ und jedenfalls tief in den Strausschen Farbtopf getunkt, erscheint die Suite aus Strauss’ gleichnamiger Oper am Schluss des Konzerts. Hut ab vor diesen disziplinierten und spielfreudigen jungen spanischen Musikern, die sogar noch Bizets „Carmen“-Suite als Zugabe parat haben.