Film

Trauerarbeit mit Tiger

Eine wahre Geschichte: Matt Damon in der Rolle eines Mannes, der einen Tierpark kauft

Ein ganzer Zoo voller überwiegend kuscheliger Tiere, dazu eine zauberhafte Siebenjährige mit Locken und riesengroßen Augen, Scarlett Johansson und Matt Damon in den Hauptrollen. Das klingt auf den ersten Blick nach allerschlimmsten Hollywood-Kitsch. Und doch ist Regisseur Cameron Crowe („Almost Famous“, „Jerry Maguire“) mit „Wir kaufen einen Zoo“ ein tatsächlich sehenswerter Familienfilm gelungen.

Das mag zum einen daran liegen, dass die Geschichte von Benjamin Mee (Matt Damon), der nach dem Tod seiner Frau mit seinen Kindern Dylan und Rosie (Colin Ford, Maggie Elizabeth Jones) einen abbruchreifen Privatzoo kauft, auf wahren Begebenheiten beruht. Der echte Benjamin Mee ist ebenso wie sein filmisches Alter Ego Journalist gewesen, und er kaufte tatsächlich einen privaten Tierpark – nicht in Kalifornien, sondern in Devon in Südengland. Und der Brite, der für den Film zum Amerikaner wird, kaufte ihn in Wirklichkeit noch zusammen mit seiner Frau. Aber der Wiederaufbau als Trauerarbeit, die finanziellen Probleme und die erfolgreiche Eröffnung, sie sind sehr nah an dem, was Mee in seiner gleichnamigen Biografie beschreibt.

Zum anderen muss man Matt Damon loben. Seine Darstellung des alleinerziehenden, mit sich, seinen Kindern und dem Andenken an seine verstorbene Frau überforderten Witwers Mee, der sich langsam an eine völlig neue Normalität herantastet, ist so überzeugend wie sympathisch. Hinter ihm verblassen viele andere Figuren allerdings auch ein Stück weit. Die Chef-Tierpflegerin Kelly Foster (Scarlett Johansson) bleibt allem Engagement für ihre pelzigen Schützlinge zum Trotz seltsam blass und ohne Tiefe. Auch die sich – natürlich – anbahnende romantische Verstrickung zum Witwer wirkt eher wie eine dramaturgische Notwendigkeit als wie tatsächliche Anziehung. Und der gestrenge Zoo-Inspekteur Walter Ferris (John Michael Higgins), der eine innige Feindschaft zum Gehege-Planer Peter MacCreedy (Angus Macfadyen) pflegt, ist kaum mehr als Mittel zum Zweck, die Spannung hochzuhalten, ob die regelkonforme Modernisierung gelingen kann.

Man ist aber geneigt, darüber hinwegzusehen. Die interessantere Geschichte ist ohnehin die des Umgangs der Restfamilie mit dem Verlust von Ehefrau respektive Mutter. Die widerstreitenden Gefühle zwischen Trauer und Neuanfang glaubwürdig zu zeigen, das gelingt nicht nur dem erfahrenen Damon, sondern auch seinen Filmkindern. Ansonsten rollt der mit einigen Rückschlägen kämpfende Wiederaufbau des „Rosemoor Wildlife Park“ auf gut geölten Schienen in Richtung des unvermeidlichen Happy Ends. Dem allzu großen Kitschalarm entgeht Crowe aber durch eine letzte, bittersüße Szene.

Wirklich bemerkenswert ist der Soundtrack von „Wir kaufen einen Zoo“. Statt einen der üblichen Verdächtigen zu beauftragen, sicherte sich der ehemalige Musikjournalist Crowe die Dienste eines auf den ersten Blick unwahrscheinlichen Kandidaten: Der Isländer Jónsi ist bekannt als Frontmann der Postrock-Band Sigur Rós. Ein Händchen für die stimmungsvolle Untermalung von Tigergehegen hätte man von ihm nicht unbedingt erwartet. Er hat es aber trotzdem.

„Wir kaufen einen Zoo“, Sonntag, 20.15 Uhr, ProSieben