Belletristik

Marion Braschs Roadmovie durch die Provinz

Vor zwei Jahren veröffentliche Marion Brasch, 53, ihren ersten Roman. „Ab jetzt ist Ruhe“ war die viel beachtete Geschichte ihrer Familie.

Aufmerksamkeit war der Berliner Rundfunkjournalistin mit diesem Buch gewiss, denn die Braschs gehörten zur DDR-Prominenz. Marion Braschs Vater Horst war stellvertretender Kulturminister, ihr älterer Bruder Thomas Schriftsteller. Ihr Roman beschreibt die Tragödien in ihrem Umfeld aus der eher beiläufigen Sicht eines Kindes, das sein Recht auf Normalität einfordert.

Schon damals konnte man den Stil der Autorin kritisieren, der manche sprachliche Schludrigkeit aufwies. Doch die autobiografische Familiengeschichte entfaltete ihren eigenen Sog. In Marion Braschs neuem Roman, einem gänzlich fiktiven Werk, fallen manche Unzulänglichkeiten dagegen stärker auf. „Wunderlich fährt nach Norden“ ist ein Roadmovie, das sich im Schneckentempo durch die ostdeutsche Provinz bewegt.

Wunderlich ist ein 43-jähriger Zeichenlehrer, der sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält und sich gerade in einer akuten Lebenskrise befindet. Seine Freundin Marie hat ihn verlassen, seinen 17-jährigen Sohn hat er schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Nur sein Handy bleibt ihm treu. Es führt nicht nur in anonymen SMS vertrauliche Gespräche mit ihm, es scheint auch über seherische Gaben zu verfügen. So verrät es ihm buchstäblich en passant die Lebensgeschichten völlig unbekannter Passanten. Eines Tages beschließt Wunderlich, die Stadt (sicher Berlin) zu verlassen, irgendwohin Richtung Meer. Reales und Surreales vermischen sich.

Marion Brasch: Wunderlich fährt nach Norden. S. Fischer Verlag, Frankfurt/M., 288 Seiten, 19,99 Euro.