Gedenken

Geburtshaus des Dichters Ringelnatz soll saniert werden

Die Türen zum Geburtshaus des Dichters Joachim Ringelnatz öffnet Viola Heß nicht immer gern.

„Das kann man eigentlich gar nicht zeigen, es sieht wirklich schrecklich aus“, sagt die Vorsitzende des Ringelnatz-Vereins im sächsischen Wurzen. Ohnehin gebe es nicht viel zu sehen in dem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert. Das unscheinbare Haus, an einer ruhigen Straße am Rande der Altstadt gelegen, verfällt seit Jahren. Die Wände sind feucht, das Dach undicht, die Fassade bröckelt.

Ein Zustand, der sich nach dem Wunsch von Heß bald ändern soll. Ihr schwebt eine lebendige Erinnerungsstätte für den ungewöhnlichen Künstler vor, mit Museum, Bibliothek und Raum für Kulturveranstaltungen. Solche Ideen gibt es schon seit Jahren, doch es fehlte das Geld. Nun scheint zumindest der erste Schritt gemacht: Vor wenigen Wochen hat der Stadtrat von Wurzen beschlossen, die Investitionssperre für die Erhaltung des Hauses aufzuheben und die Grundsanierung anzustoßen. Wenn mit den Fördermitteln alles gutgeht, könnten die Arbeiter schon im September anrücken, sagt Heß.

Joachim Ringelnatz, der mit bürgerlichem Namen Hans Gustav Bötticher hieß, lebte nur knapp vier Jahre in Wurzen. Er kam am 7. August 1883 zur Welt, zu seinem Geburtstag ehrt ihn die Stadt auch in diesem Jahr wieder mit einem „Ringelnatz-Sommer“. Ringelnatz selbst führte ein unstetes Leben, er ging zur See, war Maler, Kabarettist und Schriftsteller. Seine Werke sind bis heute bekannt, finden sich in fast jedem Schulbuch. Zu den bekanntesten Reimen gehört das Gedicht „Die Ameisen“, unvergessen sind die Lieder vom Seemann „Kuttel Daddeldu“.

Nach seinen Vagabundenjahren ließ er sich in Berlin nieder und fand dort Anerkennung als Maler. Seine Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen waren geschätzt, heute sind diese Werke versprengt, verschollen oder vernichtet. Denn Ringelnatz erhielt 1933 unter den Nazis Auftrittsverbot, seine Kunstwerke wurden als „entartet“ diffamiert. Nur ein Jahr später, im November vor 80 Jahren, starb der Künstler verarmt in Berlin.