Kunsthandel

Immendorff-Kopie muss nicht vernichtet werden

Gericht entscheidet gegen die Künstlerwitwe

Ein umstrittenes Gemälde aus dem Atelier des 2007 gestorbenen Künstlers Jörg Immendorff muss nicht vernichtet werden. Das entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf am Dienstag. Die Reproduktion des bekannten Bildes „Ready-made de l’Histoire dans Café de Flore“ sei rechtmäßig in den Räumen des Malers erworben worden. Als Käufer dürfe man also davon ausgehen, dass der Künstler von dessen Verkauf wusste, lautete die Begründung.

Immendorffs Witwe Oda Jaune hatte verlangt, das Bild zu vernichten. Sie hält es für eine Fälschung und glaubt, dass die Kopie ohne die Autorisierung ihres Mannes entstanden ist. Das Landgericht Düsseldorf hatte Jaune recht gegeben. Ein Privatmann soll das Bild 1999 in Immendorffs Atelier von einem Mitarbeiter für 30.000 Mark gekauft haben.

Ob Fälschung oder nicht: In diesem Punkt wollte sich der Senat nicht endgültig festlegen. Für die Verhandlung sei das nicht mehr entscheidend, sagte der Richter am Oberlandesgericht, Wilhelm Berneke. In jedem Fall stelle die Reproduktion im Vergleich zum Original eine „Verarmung, nichts von künstlerischer Bedeutung“ dar.

Während des Verfahrens hatte das Gericht unter anderem die Unterschrift unter dem Echtheitszertifikat von einem Gutachter prüfen lassen. Das Ergebnis: Die Signatur Immendorffs wurde maschinell erstellt. Ob mit oder ohne Wissen des Künstlers – die Frage konnte nicht geklärt werden.

Dass im Atelier des Malers immer wieder Bilder kopiert wurden, war in den 90er-Jahren gang und gäbe. Das war die Zeit, als Immendorff kostspielige Partys feierte und finanziell klamm gewesen sein soll. Im Kunsthandel kursieren etliche gefälschte Bilder aus seinem Werk. Die Ungewissheit müsse der tragen, der die Verhältnisse herbeigeführt habe, sagte Berneke. Die Witwe habe keinen stärkeren Willen als der Künstler. Das Original-Bild „Café de Flore“ hängt in einer Galerie in Auckland in Neuseeland. Das Kaffeehaus selbst befindet sich in Paris.