Pop-Kritik

JJ Grey bringt die Hitze der Sümpfe Floridas nach Berlin

Südstaatensound mit viel Funk und Soul im Columbiaclub

Er singt von den Einsamen und den Verlierern. Er erzählt in seinen Liedern Geschichten von Zweiflern und Aussteigern, von Betrogenen und unglücklich Verliebten. Und immer wieder beschwört er die Kraft, die Schönheit und die Unbarmherzigkeit der Natur, vor der der moderne Mensch plötzlich so klein und unwichtig wird. Die Musik von Sänger und Songschreiber JJ Grey und seiner Band Mofro ist tief verankert im amerikanischen Süden, im Memphis Soul, im Southern Rock, im Blues und Funk aus den Sümpfen und Wäldern Floridas.

Im Columbiaclub konnte man hautnah erleben, was für eine emotionsgetriebene Ausdruckskraft, was für eine lustvoll vibrierende Energie JJ Grey & Mofro auf die Bühne wuchten. Der schlaksige Endvierziger JJ Grey, der eigentlich John Grey Higginbotham heißt, stammt aus Jacksonville in Florida und ist so etwas wie ein Heimatdichter. Er schreibt Lieder über die hart arbeitenden Menschen, mit denen er groß geworden ist, über Nachbarn, Freunde und Verwandte, über die Härte des Lebens. Oder über heiße Liebesnächte wie in „Slow, Hot And Sweaty“.

Nur reichert der Storyteller seine Stücke mit einer solch gehörigen Portion Funk und Soul an, dass sie einem schier den Atem nehmen. Er lässt die Gitarre hitzig jauchzen, er wirbelt furios mit dem Tamburin, er stößt seelenvoll in die Bluesharp. Und er singt mit einer lebensgegerbten Soulstimme, die von ganz tief drinnen kommt. Die rau und zärtlich zugleich ist. Mofro bringt die flirrende Hitze der Sümpfe nach Berlin mit mächtig stampfenden Rocknummern wie „Country Ghetto“ oder von Country gestreifen Balladen wie „Brighter Days“. Gerade ist mit „This River“ das siebte Album von JJ Grey erschienen. Doch vor allem live ist diese Band eine Offenbarung. Bassist Todd Smallie und Schlagzeuger Anthony Cole legen den groovenden Untergrund. Gitarrist Andrew Trube und Organist Anthony Farrell beschwören den satt pulsierenden Südstaatensound. Bands wie diese sind der Grund dafür, dass ein Livekonzert ungleich mehr Erfüllung bringt als eine noch so gut arrangierte Studioproduktion.