Belletristik

„Bridgets und Joans Tagebuch“: Parodie auf einen Bestseller

Wie sähe Romanheldin Bridget Jones wohl im Altersheim aus?

Sie würde vermutlich zu viel Sherry trinken, sich beim Bingo daneben benehmen und noch immer verzweifelt einen Mann suchen. So eine Bridget zumindest wird in dem jüngst erschienenen Buch „Bridgets und Joans Tagebuch – Verrückt nach dem Toyboy“ beschrieben. Bestsellerautorin Helen Fielding, die ihre schrullige Romanheldin erst kürzlich in einem neuen Buch zur Witwe machte, steckt diesmal aber nicht dahinter – sondern eine geschickte Parodie.

In dem Roman führen die rüstigen Rentnerinnen Bridget und Joan im „zweitbesten Magnolia Seniorenheim“ Tagebuch – und eine von beiden hat mit der bekannten Romanheldin Bridget Jones mehr als nur den Vornamen gemeinsam. Deren Neujahrsvorsätze lauten zum Beispiel: Nicht mehr vor elf Uhr morgens Sherry trinken (außer sonntags) und „die ganze Pracht meiner fünfundsechzigjährigen Fraulichkeit akzeptieren“.

Vom Stil trifft das tatsächlich den Ton des Originals, dessen dritter Teil hierzulande im März erschienen ist. Neben dem Titel hat der Verlag sogar das Cover optisch ähnlich gestaltet. Und so würde „Bridgets und Joans Tagesbuch“ beinahe als eine Fortsetzung von „Bridget Jones“ durchgehen, wenn da nicht die Einträge von Senioren-Freundin Joan wären, die Bridgets Beschreibungen ironisch kommentieren und häufig als pure Luftschlösser entlarven. Zum Beispiel in deren eigenen guten Vorsätzen: „Bridget daran erinnern, dass sie neunundachtzig ist“. Die Parodie ist aber weniger ein Klamauk auf Kosten der Vorlage, sondern eher ein amüsantes Lesestück. Auch beim Verlag selbst geht man davon aus, dass sich die Leser – was Alter und Humor angeht – nicht allzu sehr unterscheiden dürften.

Die Verwechslungsgefahr der beiden Bücher hat natürlich Gründe: „Die Ähnlichkeit in der Aufmachung und im Titel soll für Aufmerksamkeit im Handel sorgen“, erklärt Verlagsleiterin Andrea Best. „Man schaut wegen des Wiedererkennungseffekts automatisch hin.“ Heißt: Der Ableger will letztlich vom Erfolg der bekannten Vorlage profitieren. Während das Buch in England sogar zeitgleich mit dem dritten Teil von Helen Fieldings Roman erschien, hat der Verlag hierzulande darauf verzichtet.

Die einzige Buch-Parodie ist „Bridget und Joan“ mitnichten: Stieg Larssons Millenniums-Trilogie („Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“) etwa bekam mit „Verarschung“ eine unfreiwillige Fortsetzung. Auch Stephenie Meiers „Biss“-Romane zum Beispiel werden in „Bis(s) einer weint“ oder „Biss zum Abwinken“ aufs Korn genommen.

Bridget Golightly und Joan Hardcastle: Bridgets und Joans Tagebuch. – Verrückt nach dem Toyboy. Manhattan, München, 208 S., 14,99 Euro