Fernsehen

Zarah Leander: Sie war ein Star auf der Bühne

Das Leben der Schauspielerin dokumentiert der RBB

Vor laufender Kamera lässt sich Zarah Leander eine Zigarette anstecken. „Der Goebbels war ein hochinteressanter Mann“, erzählt die 1981 gestorbene Diva, die zum Zeitpunkt der Aufnahme schon ein wenig in die Jahre gekommen ist. „Und was er sonst gemacht hat, ist nicht meine Sache.“ Ein Filmteam hat den Interviewausschnitt für „Die Akte Zarah Leander“ aus dem Archiv gekramt. Der vom RBB (Rundfunk Berlin Brandenburg) produzierte Dokumentarfilm erkundet die vielen Facetten des Stars, der in zahlreichen Revuefilmen der Nazizeit zu sehen war. Er zeigt eine ruhmessüchtige Frau, die sich betont unpolitisch gibt.

Mit ihrer dunklen Stimme und den schwungvollen Augenbrauen machte „die Leander“ (1907-1981) im nationalsozialistischen Deutschland von 1936 an Karriere. „Ich waaar vielleicht noch nie verliebt“, singt die gebürtige Schwedin in einer der ersten Szenen und steigt in mondäner Robe eine Showtreppe herab. Einige Chansons werden Kult wie zum Beispiel „Kann denn Liebe Sünde sein?“

Aber hat Zarah Leander auch das NS-Regime unterstützt? Oder hat sie nur die günstige Gelegenheit genutzt, ein Star zu werden? Vor ihrem Ufa-Engagement soll sie ein Anti-Nazi-Lied gesungen haben, später lehnt sie den Titel einer deutschen Staatsschauspielerin ab, wie es in der Dokumentation heißt. Der sehenswerte Beitrag zeigt viele dieser Widersprüche.

Unklar ist, was sie vom heraufziehenden Krieg wahrnimmt. Ihre Kontakte zu Naziführern seien schwer zu rekonstruieren, sagen die Filmemacher. Regelmäßig habe sie Propagandaminister Joseph Goebbels getroffen. Im privaten Umfeld aber habe sie sich anders verhalten, Politiker auch mal imitiert. 1943 verlässt Leander dann überraschend ihre Berliner Villa und kehrt nach Schweden zurück. Dort gilt sie wegen ihrer Karriere in Nazi-Deutschland nun als Persona non grata, wie ihre Biografin Jutta Jacobi erzählt. Ihre Platten dürfen im Radio zuerst nicht gespielt werden. Die schwedische Sicherheitspolizei trägt jahrelang Informationen über den Star zusammen. Darunter sind Zeitungsartikel, Spitzelberichte und aufgezeichnete Telefongespräche. Auch die Gestapo soll die Filmdiva ausspioniert haben. 1944 soll sie in einem Interview gesagt haben, sie sei eine „politische Idiotin“.

„Die Akte Zarah Leander“, Montag, 23.20 Uhr , ARD