Film

Wenn ein Busfahrer plötzlich rot sieht

Elmar Wepper brilliert in diesem Ehedrama: „Zwei allein“

Es gibt Filme, da weiß man nach fünf Minuten: Das wird was. „Zwei allein“ von Regisseur Stephan Wagner ( „Der Fall Jakob von Metzler“) und Krimiautor Friedrich Ani ist so einer. Da fahren Benedikt und Henriette in einem leeren Linienbus durchs nächtliche München, „Bene“ sitzt am Steuer, er ist Busfahrer, aber das hier ist keine Linienfahrt, das ist eine Liebesfahrt. „Henri“ hängt an seinem Hals, Bene grinst und kurvt durch die Straßen, und als das Blaulicht hinter ihnen blitzt, drückt Bene aufs Gas, biegt schnell in eine Seitenstraße und das Polizeiauto fährt vorbei. Jetzt gibt es wieder nur sie, den Busfahrer und die Schuhverkäuferin.

Es könnte den Rest des Films um dieses junge alte Ehepaar gehen, gespielt von Elmar Wepper und Gundi Ellert, die so gar nichts von diesen typischen graumelierten Fernseh-Ehen „in den besten Jahren“ haben. Aber wenige Minuten später ist Henri tot, erschossen von einem Raubmörder im Park. Und dann gibt es gleich noch eine grandiose Szene, in der ein Linienbus mehr sagt als tausend Worte: Bene geht wie gewohnt zur Arbeit, setzt sich wie gewohnt auf den Fahrersitz – doch dann übernimmt die Verzweiflung das Steuer, die Wut fährt an Haltestellen vorbei und ignoriert rote Ampeln. Denn die Welt und die anderen sind nicht mehr einfach egal wie zuvor, die sind jetzt ein Affront. Wie das in guten Filmen ist, erzählen hier die Bilder all das, was Sätze nur kaputtplappern würden. Die Kamera von Thomas Benesch führt den Blick mit einer Ruhe, die ganz unruhig macht, weil sich sofort die Ahnung einstellt, dass hier nicht alles so ist, wie es scheint.

Und dann stellt sich heraus, dass Henri Krebs hatte. Und Bene nicht fertig wurde mit ihren Schmerzen. Dass Bene und Henri womöglich nicht ganz freiwillig „zwei allein“ waren. Und dass der Raubmord vielleicht gar keiner war. Die „Auflösung“ schwant dem Zuschauer ziemlich schnell, aber es handelt sich hier auch nicht um einen konventionellen Krimi. Dass die Kamera gegen Ende immer konventioneller wird und die Worte immer plakativer, stimmt da schon trauriger. Aber das Ende dieser Ehe, das ist und bleibt am traurigsten.

Zwei allein Heute, 20.15 Uhr, Arte