Pop-Kritik

Ein Abend mit einer Legende

Booker T. Jones im Frannz Club: Klassiker an der Hammond B3

Er war gerade mal 17 Jahre alt, als er mit dem cool groovenden Instrumentalstück „Green Onions” Popgeschichte geschrieben hat. Nun sitzt der 69-jährige Booker T. Jones am Dienstagabend im überhitzt prallvollen Frannz Club hinter seiner Hammond B3 und spielt den Klassiker mit einer so schwebenden Leichtigkeit, als wäre er ihm gerade erst eingefallen.

Booker T. hat den Memphis Soul geprägt. Er hat dem Blues neue Impulse gegeben. Er stellte in den 60er-Jahren mit seiner Band The MG’s die Hausband im legendären Stax-Studio in Memphis/Tennessee und spielte Platten mit Otis Redding, Sam & Dave oder Wilson Pickett ein. Und er hat eigene Hits gelandet wie „Time Is Tight“, „Soul Limbo“ oder eben „Green Onions“. Dieser Mann hat Musikgeschichte geschrieben. Er ist Mitglied der Rock and Roll Hall of Fame, wurde für sein Lebenswerk mit einem Grammy gekürt und hat in den 60er-Jahren einen Sound erschaffen, der bis heute in ungezählten Samples und Coverversionen weiterlebt.

Drei Musiker hat er zur Verstärkung mitgebracht. Es ist kurz nach 20 Uhr, als Gitarrist Vernon „Ice“ Black, Bassist Melvin Brannon und Schlagzeuger Darian Gray lässig ins Rampenlicht schlendern und die ersten Takte des Funkstücks „Harlem House“ in den Saal schleudern. Nach wenigen Takten erscheint der Meister. Ein Gentleman mit Hut und Anzug. Er lächelt, er macht es sich hinter seinem mächtigen Hammond-Möbel bequem und steigt mit pointiert gesetzten Akkorden ein ins treibende Geschehen. „Harlem House“ ist ein noch relativ neues Stück, doch schon greift Booker T. ganz tief in den Fundus und holt die Spagetti-Western-Hommage „Hang ’em high“ hervor, auch so ein Instrumental-Hit, der die Jahrzehnte überdauert hat.

Gleich zwei Leslies, mächtige Lautsprecher aus Massivholz mit rotierenden Lautsprechern für diesen typischen vibrierenden Hammond-Klang, machen es noch enger auf der kleinen Bühne. Der Sound ist bestens, der Nostalgiefaktor hoch. Für Blueslegende Albert King hat Booker T. „Born Under A Bad Sign“ komponiert und produziert und auch das spielt er, wobei er selbst den Gesangspart übernimmt.

Und dann kommt auch schon unter dem Jubel des Erkennens „Green Onions“, rauer und rabiater interpretiert als vor mehr als 50 Jahren, als noch Gitarrist Steve Cropper den MG’s-Sound mitformte. Vernon Black spielt den Gitarrenpart in einer kraftvollen Mischung aus Hendrix und Santana, entreißt den pumpenden Titel mit einem ausgiebigen ersten Solo der Vergangenheit. Natürlich gibt es den sich vor lauter Rhythmus biegenden „Soul Limbo“, natürlich spielen sie das spielerisch schwebende „Time Is Tight“ in einer ausufernden Version und als allerletzten Rausschmeißer fahren Booker T. und seine Band auch noch das funkgetriebene „Melting Pot“ auf - mit einer Gitarre die plötzlich klingt, als hätten Daft Punk und Nile Rogers ihre Finger im Spiel.

Ein Abend mit einer Legende, ein denkwürdiger Abend.