Belletristik

Südfrankreich wird immer attraktiver – als Krimi-Tatort

Vor allem deutsche Autoren schreiben diese Franko-Bücher

Vielleicht ist Bruno schuld an dieser neuen Liebe. Schließlich hat der allen kulinarischen und körperlichen Genüssen zugetane Chef de Police in den Kriminalromanen des Schotten Martin Walker einen Stammplatz auf den Bestsellerlisten vor allem in Deutschland erobert. Walker lässt seinen Bruno in Saint-Denis, einem beschaulichen Ort im Perigord, ermitteln, im warmen Süden Frankreichs, den sich die deutschen Leser als neues Ziel ihrer mediterran-literarischen Sehnsucht erkoren haben. Erfolg züchtet Nachahmer. Da will keine Marketingabteilung außen vor bleiben. Und so wird der deutsche Buchmarkt seit geraumer Zeit überflutet mit Kriminalromanen, die zumeist im französischen Süden spielen, in jenen sonnengetränkten, kulinarisch verwöhnenden Regionen, in denen sich zum anregenden Gaumen- der aparte Nervenkitzel gesellt. So geht es in Walkers aktuellem Bestseller „Reiner Wein“ (Diogenes, 412 S., 22,90 Euro) nicht nur um einen legendären Eisenbahnüberfall von Mitgliedern der französischen Résistance, sondern auch um edle Weine, die unversehens den Besitzer gewechselt haben.

Doch Walker ist nur vorangegangen, eine ganze Reihe von Krimiautoren folgt ihm zu jenem Licht des Südens, das den Erfolg verheißt: In diesem Jahr sind das vor allem Sophie Bonnet mit ihren „Provenzalischen Verwicklungen“, Jean-Luc Bannalec (kein Franzose, sondern das Pseudonym eines deutschen Verlagschefs) mit „Bretonisches Gold“ (mal nichts Südliches, aber immerhin Frankreich), Christine Gazon (eine Deutsche, die in Marseille lebt) mit „Mörderische Cote d’Azur“ und das Autorenpaar Jean Bagnol mit ihrem Provence-Krimi „Commissaire Mazan und die Erben des Marquis“ . Und es gibt noch mehr, literarische Trittbrettfahrer zumeist, die auf den Zug gen Süden aufgesprungen sind. Und: (Fast) ausnahmslos sind es deutsche Autoren, kein Franzose weit und breit.

Dabei gibt es sie doch, jene französischen Kriminalschriftsteller, die wuchtige Geschichten über ihr Land schreiben. Jean Claude Izzo etwa oder Fred Vargas und Jean Patrick Manchette. Oder Pierre Magnan, dieser große alte Mann der französischen Kriminalliteratur. Doch all das sind Bücher, die eher die dunklen Seiten des Lebens zeigen, weniger jene, auf denen es in leuchtenden Farben blüht und duftet. Diese Romane, die auch im Auftrag des Tourismusvereins der jeweiligen Region geschrieben worden sein könnten, sind Wohlfühl-Krimis, wenn man so will. Schöner sterben unter südlicher Sonne? Muss wohl was dran sein.