Konzert-Kritik

Geigerin Liya Yakupova spielt im Zwiegespräch mit sich selbst

Es sind junge Menschen, die in den traditionellen Sommermatineen im Musikinstrumenten-Museum auftreten.

Für diese gerade fertig studierten Profis hat die Gotthard-Schierse-Stiftung vor 40 Jahren die Kammermusik-Reihe ins Leben gerufen – um das Loch überbrücken zu helfen, das zwischen Hochschuldiplom und Orchester- oder Solistenlaufbahn klafft. Es sind durchweg hervorragende, mit Bedacht kuratierte Künstler, und doch handeln sie auf der Bühne des kleinen Curt-Sachs-Saals etwas anders als Konzertsolisten mit jahrzehntelanger Erfahrung. Bei der Geigerin Liya Yakupova etwa, die am Sonntag in der zweiten von sechs Matineen in diesem Jahr an der Reihe war, richtet sich die Aufmerksamkeit ausschließlich nach innen, auf den Körper, das Instrument, seinen Klang. Für das Publikum bietet dies wenig Show, aber in musikalischer Hinsicht ist es ein vollendeter Genuss.

Mit Begleitung durch die armenische Pianistin Sona Barseghyan lässt Yakupova einen großen, voluminösen Ton hören, der wie aus einem Zwiegespräch Yakupovas mit sich selbst entsteht. Es wird einem viel eher bewusst als bei extrovertierten Bühnenhasen, dass gutes Musizieren undenkbar viel mit beherrschter und von Außenwirkung unbeirrter Instrumentaltechnik zu tun hat. Der kleine Saal dehnt förmlich seine Wände unter der Größe von Yakupovas Klang. Man bräuchte vermutlich einen größeren Raum, um festzustellen, dass dieser Ton auch biegsam ist, dass Liya Yakupova in Mendelssohns Violinsonate F-Dur nach dem hoch auffahrenden Thema in der Lage ist, die feinen Linien nuanciert zu gestalten.