Nachruf

Tommy Ramone war der letzte der „Ramones“

Der Schlagzeuger starb mit 62 Jahren an Krebs

Freitag, den 11. Juli 2014, wird man im Gedächtnis behalten als den Tag, an dem der Punkrock starb. Tommy Ramone, letztes lebendes Gründungsmitglied der Ramones, erlag im Alter von 62 einem Gallenblasenkrebsleiden.

Zusammen mit Joey, Johnny und Dee Dee Ramone gründete Tommy die Band 1974 im New Yorker Stadtteil Queens in einem Studio, das er selbst betrieb. Der Name Ramone war eine von den Beatles inspirierte Fantasieprägung, die ein Verwandtschaftsverhältnis nahelegen sollte, das tatsächlich nur in der Musik bestand. Tommy hieß in Wirklichkeit Tamás Erdélyi und war gebürtiger Budapester, dessen Familie Mitte der Sechzigerjahre, nach dem Einmarsch der Roten Armee, nach Amerika ausgewandert war.

Anfang der Siebziger ging Erdélyi und ein paar seiner Schulfreunde die damals angesagte Musik ziemlich auf die Nerven; der Rock ’n’ Roll war in seine klassische Phase eingetreten, Bands wie Emerson, Lake & Palmer, Led Zeppelin oder Yes dominierten die Charts mit avancierten Songstrukturen. Später erzählte Erdélyi, bei einem Konzert der New York Dolls habe er gedacht: „Hier ist eine Band, die nicht besonders gut spielen kann, aber sie sind das Aufregendste und Unterhaltsamste, was es gerade gibt.“ An die Stelle von technischer Perfektion, fand er, sollte schiere Energie treten. Und die richtige Haltung. Erdély setzt sich ans Schlagzeug.

Auf YouTube kann man eine alte Rockpalast-Aufnahme von einem Deutschlandkonzert der Ramones aus dem Jahr 1978 sehen. Da stehen vier spindeldürre Typen in engen Röhrenjeans und Turnschuhen, mit Muskelshirts die in Ermangelung von Muskeln ihres Namens spotten. Mit scheinbar leicht hingerotzten Songs wie „Sheena is a Punk Rocker“, „I Wanna Be Sedated“ und der Hymne „Blitzkrieg Bop“, die Tommy Ramone übrigens alleine schrieb, hoben sie in schäbigen Kneipen wie dem bald nicht minder legendären CBGB’s auf Manhattans Bowery ein neues Genre aus der Taufe: Punk war geboren. Tommy Ramone stieg schon 1978 wieder aus, wegen Erschöpfung. Sieht man sich die Konzerte heute wieder an, kann man es ihm nicht verdenken. Neben seinem frühen Schlagzeugspiel ist er als Produzent der klassischen Alben „Ramones“ (1976) und „Rocket to Russia“ (1977) unsterblich geworden. 1984 arbeitete er zum letzten Mal für die Band, als er das Album „Too Tough To Die“ produzierte. Nun hat Tommy 2014 den ursprünglichen Punkrock mit ins Grab genommen.