Irak

Terrorgruppe Isis finanziert sich auch mit Antiquitäten

Die Islamisten-Miliz Isis finanziert nach Einschätzung von Kulturwissenschaftlern ihre Kriegsmaschinerie auch durch den Verkauf antiker Kunstwerke aus Syrien.

„Die Isis sind nicht nur Bilderstürmer, sondern füllen ihre Kriegskassen durch den Verkauf von Kulturgütern“ sagte die Berliner Ägyptologin und Kuratorin der Tell-Halaf-Schau in der Bundeskunsthalle, Ulrike Dubiel, am Donnerstag in Bonn.

Das Geschäft laufe über Mittelsmänner, teils im Auftrag privater Sammler und die Kunstwerke würden meist über militärische oder diplomatische Kanäle aus dem Land geschafft. „Was in einer Privatsammlung landet, ist meist für immer weg“, so Dubiel. Die Wissenschaftlerin, die beteiligt war an der neunjährigen Restaurierung der 27.000 Fundstücke vom Tell Halaf, plädierte vor diesem Hintergrund für ein Verbot jeglichen Handels mit Antiquitäten. Den Syrern würden derzeit viele identitätsstiftende Werke geklaut. Der Siedlungshügel Tell Halaf, wo der Bankierssohn Max von Oppenheim 1899 einen aramäischen Fürstensitz aus dem frühen 1. Jahrtausend vor Christus entdeckte, liege im Eroberungsgebiet der Isis, betonte Dubiel. Offenbar habe es an der Stätte an der türkisch-syrischen Grenze bereits Raubgrabungen gegeben.

Bis vor wenigen Jahren habe es noch große Proteste gegeben, dass die Funde von Oppenheim 1929 nach Berlin gebracht wurden, insbesondere wegen der Zerstörung in einer Berliner Bombennacht 1943. Mit Blick auf den Syrien-Krieg könnte das Kulturerbe nun aber vor weiteren Zerstörungen bewahrt werden. Was mit den im Syrischen Nationalmuseum in Aleppo aufbewahrten Teilen passiere, sei derzeit ungewiss, sagte Dubiel.