Belletristik

Joseph Walsers gefährlichste Maschine der Welt

Der portugiesische Autor Gonçalo M. Tavares ist schon mit vielen Superlativen bedacht worden.

Er wurde mit Franz Kafka verglichen, sogar den Literaturnobelpreis hat man dem 44-Jährigen bereits prophezeit. In dreißig Sprache wurde er übersetzt. Trotzdem ist mit „Joseph Walsers Maschine“ jetzt erst das zweite Werk von ihm ins Deutsche übersetzt worden. Das Buch ist eine düstere, doch eindrucksvolle Parabel auf die Verlorenheit des Menschen in einer seelenlosen, maschinenhaften und gewalttätigen Welt.

Der Protagonist heißt Joseph Walser, er ist Arbeiter und führt ein recht schlichtes Leben. Seine Freizeit verbringt er beim Würfelspiel mit Freunden oder er widmet sich einer kuriosen Sammlung von Metallteilen. Die liebt er wohl mehr als seine Frau.

Ansonsten gilt seine ganze Hingabe der Arbeit: Er bedient eine der gefährlichsten Maschinen in der Fabrik. Wenn sie brummt, ist der Mann glücklich. Jeder Boss könnte stolz auf ihn sein. Doch eines Tages verliert er durch einen Unfall einen Finger. Er fühlt sich nicht nur körperlich, sondern auch seelisch wie amputiert. Gleichzeitig wird die Stadt, wo er lebt, von einem Krieg und einem Attentat erschüttert. Walsers Ordnung gerät dramatisch aus den Fugen.

Nichts ist mehr wie es war. Liegt es an ihm? Überall registriert Joseph Walser eine merkwürdige „Faszination für große Waffen und starke Herrschaft“ und Aggressionen. In einer klaren schnörkellosen Sprache stellt Tavares grundlegende Fragen nach unserer Existenz.

Gonçalo M. Tavares: Joseph Walsers Maschine, Deutsche Verlags-Anstalt, München, 176 S., 19,99 Euro