Abschied

Berliner Schauspieler Horst Bollmann gestorben

Am Theater arbeitete er mit Beckett, im „Tatort“ ermittelt er

Die Abwicklung des Schiller-Theaters betraf ihn nicht mehr persönlich. Da hatte der Schauspieler Horst Bollmann, der 1959 von Boleslaw Barlog an die Staatlichen Schauspielbühnen Berlins geholt worden war, das Ensemble bereits verlassen. 1988 war das, die Mauer stand noch – zu diesem Zeitpunkt hätte wohl niemand daran geglaubt, dass das Schiller-Theater jemals geschlossen werden würde. 1970 war Bollmann zum Berliner Staatsschauspieler ernannt worden. Einige seiner berühmtesten Theaterrollen hatte er in Stücken von Samuel Beckett wie „Warten auf Godot“. 1969 spielte er sogar unter der Regie des irischen Dramatikers: Seine spezielle Körperhaltung als Diener in Becketts „Endspiel“ ging als „Bollmann-Haltung“ in die Theatergeschichte ein. Zuletzt stand er in den 80er-Jahren in Arthur Millers Tragödie „Tod eines Handlungsreisenden“ auf der Bühne.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit würdigte Bollmann als einen der „Großen der Berliner Theatergeschichte“. Einem breiten Publikum aber wird man seltener als Bühnenschauspieler bekannt, um richtig populär zu werden, muss man Fernsehen machen. Als Krimi- und Charakterdarsteller profilierte sich Bollmann, seine erste große Filmrolle war 1961 die Titelfigur in Bernhard Wickis „Das Wunder des Malachias“. Bollmann war der Kommissar in dem Durbridge-Mehrteiler „Wie ein Blitz“ (1970), er spielte in den 70er- und 80er Jahren in zahlreichen Folgen des „Tatort“ mit, in fünf „Tatort“-Filmen trat Bollmann auch als Ermittler auf, in drei Folgen als Oberstleutnant Delius des MAD und in zwei Folgen als Hauptkommissar Brandenburg aus München. 1993 war er an der Seite von Mario Adorf in der Krimisatire „Abendstunde im Spätherbst“ zu sehen.

Horst Bollmann wurde 1925 in Dessau als Sohn eines Verwaltungsdirektors geboren. 1943 machte er sein Abitur, anschließend musste er Soldat werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg besuchte Bollmann von 1946 bis 1949 die Folkwang-Schule in Essen, in der Ruhrgebietsstadt gab er auch sein Theaterdebüt gab. Es folgten Engagements in Mannheim und schließlich der Wechsel nach Berlin.

Der Stadt blieb er bis zu seinem Tod treu. Er war mit seiner Kollegin Hetty Jockenhöfer verheiratet, am Dienstag teilte seine Ehefrau mit, dass ihr Mann am Montag in Berlin einer „langen, schweren Krankheit“ erlegen sei. Horst Bollmann wurde 89 Jahre alt.