Ausstellung

„Früher demonstrierte man, heute trinkt man Latte macciato“

Olaf Metzel zeigt in Potsdam „Umsonst und draußen“

Echt, die riesige Knarre macht sich gut. Olaf Metzel, 61, posiert vor dem rostigen Teil für den Fotografen. Sie hat selbst sieben Löcher, schießen kann man damit nicht. Ursprünglich sollte sie vors Kanzleramt. Doch das war dann zu viel für Helmut Kohl. Nun liegt PK/90 auf der artig gemähten Wiese im Garten der Potsdamer Villa Schöningen, eingebettet zwischen Bäumen und weißen Büschen. Eine Idylle im Grünen. Metzel findet das okay. „Zeiten ändern sich“, sagt er. Der Mann ist grundentspannt. Irgendwo hängt hoch oben an einem Baum eine Schlinge, eine Leiter führt herauf. Gehört die dazu? Metzel spielt gerne mit Alltagsästhetik.

Der Bildhauer mit Professor an der Münchner Akademie ist kein Weichei. Er mischt eigentlich immer mit bei Debatten, egal, ob es um die RAF ging oder sich alles ums Kopftuch dreht. Und wenn er das macht, dann so, dass es nicht jedem gefällt. Metzel produzierte Skulpturen für die besetzte Hamburger Hafenstraße und zum Skandalprojekt Elbphilharmonie. Er ließ den Schriftzug „Stammheim“ auf eine Mauer des Württembergischen Kunstvereins in Stuttgart malen, daneben packte er einen Ehrenkranz. In seiner Heimatstadt ging er auf die Barrikaden: Am Kudamm stapelte er 1987 aus rot-weißen Absperrgittern einen bald zehn Meter hohen Turm, gekrönt von einem Einkaufswagen. Und weil diese Skulptur ans Politische anknüpfte, hieß sie bald „Randale-Denkmal“. Demonstranten nutzten den Gitterturm als Plattform, der zeitweise unter Polizeischutz gestellt werden musste. „Waren die sauer, vor ihren eigenen Gittern zu stehen“, erzählt Metzel. Im Obergeschoss der Villa Schöningen zeigt er Modelle, Polaroids und Skizzen seiner Arbeiten. Das „Randale-Denkmal“ musste weg vom Boulevard, steht heute zwischen den Spreespeichern in der Stralauer Allee. „Früher demonstrierte man, heute sitzt man davor und trinkt Latte macciato“, meint Metzel.

In einer Ecke der Villa, oben an der Wand, hängt ein „Restposten“, Hammer und Sichel im Kranz, damit man weiß, wo man hier eigentlich einmal war. Draußen im Garten sieht man eine schmale Bronzefigur, eine nackte Frau, nur mit Kopftuch. „Turkish Delight“ stellte er in Wien auf den Karlsplatz, dort wurde sie umgehauen, beim dritten Mal spielte die Versicherung nicht mehr mit.

Villa Schöningen, Berliner Str. 86, Potsdam. Tag der offenen Tür: 6. Juli, 11-18 Uhr. Do/Fr, 11-18 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr. Bis 26. 10.