Thriller

Multinationale Internetfirmen regieren die Welt

Das wäre doch hübsch: Es ist spät geworden, da meldet sich das Smartphone und sagt, dass jetzt aber Schluss sein muss mit dem Trinken und den Kumpels. Und dass man mal wieder abnehmen könnte.

So eine Art Mutti-App, zur Wertsteigerung auf dem Arbeitsmarkt, in den sozialen Netzwerken. Marc Elsberg hat sie für seinen neuen Nahzukunftthriller „Zero“ optimiert aus dem, was die elektronische Revolution schon in unseren Alltag implementiert hat. Sehr hart musste der Wiener Journalist und Bestsellerautor nicht an der Schraube drehen, bis er die Gegenwart scharf genug gestellt hat für einen aufklärerischen Spannungsroman, wie er ihn zuletzt mit „Blackout“ über die Verwundbarkeit der Stromversorgung geschrieben hatte.

In „Zero“ geht die Welt nicht unter, sie hat sich bloß in die Hände von multinationalen Internetorganisationen begeben. Die versprechen, wozu es bisher religiöse oder politische Ideologien gab: Nämlich bessere Menschen aus uns zu machen. Unsere Kamera für Elsbergs Welt ist Journalistin. Sie heißt Cynthia und ist ein bisschen arg naiv. In der Zukunft von „Zero“ soll sie nach einem Drohnenangriff auf den amerikanischen Präsidenten herausfinden, was es mit den Bekennern auf sich hat.

Ganzheitliches Facebook

Sie kommt dabei einigem auf die Spur. Warum aus ihrer Tochter, vor nicht allzu langer Zeit noch ein unansprechbares Gothic-Wesen, ein überangepasstes Lockenköpfchen geworden ist. Was es mit ActApps auf sich hat und mit Freemee – einer Art ganzheitliches Facebook, dem man auf freiwilliger Basis sämtliche verfügbaren Daten über sich und sein bisheriges Leben verkauft. Und alle machen mit. „Zero“ – den Roman – muss man sich als großes Datenschutz-Hahaha vorstellen.

Der ziemlich grandiose Rechercheur und nicht ganz so grandiose Erzähler Elsberg hält sich dabei von Dämonisierungen fern. Er zeigt die Mächtigen als verwundbar und gibt den scheinbar ohnmächtigen Lebensdatenopferlämmern Hoffnung. Seine Sprache spannt sich über den Plot wie das Trikot über den Oberkörper eines uruguayischen Angriffsspielers. Das ist spannend, da fehlt jeder poetische Fettansatz. Nur in Sachen Klischeedichte ist „Zero“ noch nicht ganz austrainiert.

Marc Elsberg: Zero, Blanvalet, München, 471 Seiten, 19,99 Euro