TV-Kritik

Wenn der Mann vom Finanzamt drei Mal klingelt

„Wir tun es für Geld“ ist eine hübsche Sommerkomödie

Unter einer Scheinehe versteht man landläufig eine krumme Sache mit Migrationshintergrund. Aber während in solchen Fällen gern Kommandos der Ausländerbehörde an der Wohnungstür auftauchen, um zu überprüfen, ob die Ehe auch vollzogen wird, kriegen es Moritz und Ines Fink mit Ekkehard Stöcklein-Grummler zu tun. Der Mann ist wirklich ausgesprochen nett, aber leider auch Finanzbeamter. Zuständig für „die Festsetzung und Erhebung Buchstabe E bis H“.

Also auch für F. Für die Finks. Die geheiratet haben, weil der alte Herzog, Ines’ Unternehmer-Vater, das für ein tolles Steuersparmodell gehalten hat. Seitdem – eine Hand wäscht die andere – fließt ein Teil des „hohen fünfstelligen Betrags“, den Karrierefrau und Topverdienerin Ines einsparen kann, in Moritz’ Miete. Der verdient als Archivar in einem Musikverlag nämlich erfreulich wenig. Aus Sicht des Pseudo-Schwiegervaters.

Alles könnte so schön sein, wenn nicht eines Tages Herr Stöcklein-Grummler (Ludger Pistor) nebenan eingezogen wäre. Der sich nach einem Wasserrohrbruch – Moritz (Florian Lukas) und Ekkehard verstehen sich inzwischen glänzend über Jazzmusik – auch noch bei den Finks einquartiert. Deshalb muss Ines (Diana Amft) einziehen. Was ihr stinkt. Und ihrem Freund Bernd (Matthias Weidenhöfer) natürlich auch. Aber da muss man durch.

Damit ist die komödiantische Versuchsanordnung komplett. Den Vogel schießt die alte Frau Fink (Ursula Karusseit) ab, die keine Ahnung von der Scheinehe hat und deshalb davon abgehalten werden muss, „Herrn Stöckchen-Fummler“ unfreiwillig mit brisanten Informationen zu versorgen. Der alte Herzog tobt. „Was hast du dir dabei gedacht“, brüllt er, „diesen Stöckchen-Heini in die Wohnung zu lassen?“ Ja, was eigentlich? Dass er der schönen Frau so näher kommen könnte? Moritz ist nämlich seit Jahren in diese Jugendfreundin verknallt.

Während alle unter Strom stehen, tappt Ekkehard Stöcklein-Grummler arglos durch das familiäre Minenfeld. Die Finks zucken schon zusammen, wenn dieser Mann mit seinem sonnigen „Hallo-ho, ich bin da-ha!“ durch die Tür tritt. Noch schlimmer wird’s, als er glaubt, die vermeintlich kriselnde Ehe der Finks retten zu müssen. Und rote Rosen verschickt. Und Dates einfädelt...

„Wir tun es für Geld“ (Regie: Manfred Stelzer) ist die sehr gelungene Verfilmung des gleichnamigen Romans von Matthias Sachau. Ein hübscher Lichtblick im sommerlichen Wiederholungseinerlei. Wirklich.

ARD, heute, 20.15 Uhr