Eli Wallach

Leider ein Halunke weniger auf der Welt

Das Kino sah in ihm nur den Bösen: Zum Tod des Filmstars Eli Wallach

Im dritten Teil des „Paten“ stirbt der Mafia-Boss Altobello an vergifteten Pralinen. Eli Wallach, der ihn spielt, dürfte sich dabei an eine Szene aus seinem eigenen Leben erinnert haben. 1952 – damals ein hoffnungsvoller Schauspieler, gerade für seinen Auftritt in Tennessee Williams’ „Die tätowierte Rose“ ausgezeichnet – sollte er auch sein Filmdebüt feiern, eine fette Rolle in „Verdammt in alle Ewigkeit“. Was dann geschah, lässt sich im ersten Teil des „Paten“ besehen: Dort findet der Filmproduzent den abgeschnittenen Kopf eines Pferdes in seinem Bett, eine Warnung der Mafia, die Rolle mit ihrem Favoriten zu besetzen. Und so, geht die Legende, habe nicht Eli Wallach den Part bekommen, sondern Frank Sinatra.

An einen jungen Eli Wallach erinnert man sich vergebens. Das liegt daran, dass er zunächst in der Army diente und dann auf den Brettern stand, die die Welt bedeuten. So dauerte es nach „Verdammt“ noch drei Jahre, bevor Wallach – schon 40 – erstmals auf der Leinwand erschien, in der Adaption des Williams-Stückes „Baby Doll“. In dem Sohn jüdisch-polnischer Einwanderer schienen die Besetzungsbüros den idealen Südländer zu sehen, und so spielte er den Italiener, der Karl Maldens jungfräuliche Braut verführt.

Es war die erste von vielen Schurkenrollen. In Don Siegels „Der Henker ist unterwegs“ ist er ein psychopathischer Auftragskiller. In „Nicht gesellschaftsfähig“ versucht er, Clark Gable Marilyn Monroe auszuspannen. In „Die glorreichen Sieben“ ist er der mexikanische Bandit mit den Goldzähnen, der die Dörfler ausplündert und am Ende stirbt. Vor ein paar Jahren bekam Wallach einen Brief von Benedikt XVI., der sich als Fan der „Glorreichen Sieben“ outete und Wallach in Verwirrung stürzte: „Ich war doch ein Killer in diesem Film. Ich bringe Leute um. Was findet er daran so toll?“ Sein berühmtester Film wurde „Zwei glorreiche Halunken“, worin er anfangs mit einem Strick um den Hals auf einem Pferd sitzt, zum Erhängen verurteilt – bevor Clint Eastwood das Seil des Stricks zerschießt.

Eigentlich führte Eli Wallach ein Doppelleben. Die Bühne blieb trotz 160 Filmrollen seine erste Liebe. Dort spielte er oft den kleinen, missverstandenen Mann. Das Kino schien in ihm nur den Halunken zu sehen, den Gesetzlosen, Grausamen, Gemeinen. In seinem allerletzten Film „Wall Street: Money Never Sleeps“ spielt er einen alten Banker, der mitten in der Finanzkrise „Das ist das Ende der Welt“ wispert. Nun ist Eli Wallach 98-jährig in New York gestorben.