Ausstellung

Gefrorene Lilien neben leeren Bierflaschen

In der Ausstellung „Vanitas – Ewig ist eh nichts“ im Kolbe-Museum beschäftigen sich 15 Künstler mit der Vergänglichkeit

Schönheit und Vergänglichkeit, Eros und Verfall, der überall lauernde Tod sind Themen, die in der Kunstgeschichte schon immer eine zentrale Rolle gespielt haben. Klassische Symbole auf Stillleben des Barocks sind verwelkte Blumen, erlegte Tiere, Totenschädel und erloschene Kerzen. „Vanitas – Ewig ist eh nichts“ heißt die neue Ausstellung im kleinen, feinen Georg-Kolbe-Museum. Die Kuratorinnen Nathalie Küchen und Sandra Brutscher haben den gelungenen Versuch unternommen, zeitgenössische Positionen zum Thema „Vanitas“ (lateinisch: Eitelkeit, Einbildung, Trug, leerer Schein) aufzuzeigen. 15 international renommierte Künstler, darunter Mona Hatoum, Alicja Kwade, Thomas Schütte und Tomás Saraceno, haben sich in ihren Arbeiten mit der Endlichkeit der Dinge auseinandergesetzt.

Eindrucksvoll ist gleich zu Beginn James Hopkins „The Dance of Death“: Elemente eines flippigen Jugendzimmers wie Diskokugel, E-Gitarre und jede Menge ausgetrunkener Bierflaschen wurden an der Wand wie ein Stillleben fixiert. Paweł Althamer wiederum hat Gesichtsabdrücke von lebenden Venezianern genommen und diese sehr naturalistisch wirkenden Masken auf skelettartige, unheimliche Gerüste gestellt. Thomas Schütte verfolgt eine ähnliche Spur: „Me“ sieht aus wie eine Totenmaske des Künstlers, bei lebendigem Leib abgenommen.

Wie Dieter Roth, der oft Naturmaterialien verwendet und seine Werke absichtlich verfallen lässt, hat Reijiro Wada Obststücke höchst attraktiv zwischen Glaswänden und Folie drapiert – die Früchte wirken wie bunte Elemente einer abstrakten Skulptur, doch im Laufe der nächsten Wochen werden sie zu Boden gesunken, braun und verfault sein. Luca Trevisani erinnert in seiner Arbeit „James Hiram Bedford“ an den ersten Menschen, der sich vor knapp 50 Jahren einfrieren ließ – für den Fall, dass er eines Tages wieder zum Leben erweckt werden könne. Bei Trevisani sind es gefrorene Lilien, Callas und Paradiesvogelblumen, die im Zuge der Ausstellungsdauer auftauen werden. Andere Künstler versinnbildlichen das Voranschreiten der Zeit, in dem sie Uhren in ihren Installationen verwenden: Bei Katja Strunz kann der Besucher Kuckucksuhren per Pedal von der Wand stürzen lassen.

Dass der Tod stets auch im Häuslichen lauern kann, bestätigt Mona Hatoum: In einem eleganten Wohnzimmerschrank mit Glasfront scheinen hübsche Schmuckstücke – oder sind es Weihnachtskugeln? – zu glitzern. Bei näherer Betrachtung erweisen sich diese als schillernde Handgranaten. Kei Takemura wiederum versucht, sich dem Verfall zu wiedersetzen, in dem sie Alltagsgegenstände wie eine zersprungene Glühbirne oder eine angeschlagene Tasse so mühevoll zusammenflickt und in Gaze hüllt, wie es der japanischen Tradition mit Wertgegenständen entspricht.

Doch die größte und eindrucksvollste Überraschung findet sich im Keller: Im Dunklen schimmern drei große Spinnennetze in einem Drahtgestell, gewebt von zwei verschiedenen Spinnengattungen – einer kenianischen und einer südeuropäischen. Der Künstler Tomás Saraceno hat sie zu verschiedenen Zeiten in seinem Studio an ihren Netzen weben lassen, damit sie nicht aufeinandertreffen. Der Transport der scheinbar so fragilen Arbeit erwies sich als leichter als erwartet, denn „Spinnenfäden sind eines der stärksten natürlichen Elemente“, so Museumsdirektorin Julia Wallner.

Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25, Charlottenburg. Bis 31. August. Di–So, 10–18 Uhr.