Konzert-Kritik

Lisa Stansfield sagt Sorry für einen schlechten Song

Die Fans toben bei ihrem Auftritt im Admiralspalast

Keine zehn Sekunden ist Lisa Stansfield auf der Bühne des Admiralspalasts, da hält es ihre Fans schon nicht mehr auf den Sitzen. Mit euphorischem Applaus wird die Britin empfangen. 20 Millionen Platten hat sie verkauft, diverse Auszeichnungen gewonnen. Und in Berlin ein grandioses Comeback gefeiert. Mit hastigen Handbewegungen ermutigt Stansfield das Publikum, die Hüften zu kreisen und im Takt zu klatschen. Dann stimmt sie ihr erstes Stück „Can’t dance“ an. Zehn Jahre hat sie für ihr neues Album „Seven“ gebraucht. Kaum etwas ist von dem rauen Charme vergangener Zeiten verloren gegangen.

Stansfield trägt ein elegantes schwarzes Abendkleid, fast verboten transparent. Jeden Ton presst sie tief aus der Kehle. Das lange Paillettenkleid schleift unaufhörlich über den Boden. Kaum kann sie die Füße still halten. „Scheiß drauf“, flucht sie nach „The real thing“ und entledigt sich der Pumps. Von da an geht es barfuß weiter. Dann löst sie das dünne Haarband, wuschelt sich durchs Haar. Ein bisschen Jazz, ein bisschen Swing, ein bisschen 80er-Pop-Rhythmen: 21 Mal verführt Stansfield erfolgreich. Und gibt nebenbei eine Lektion in Sachen positives Selbstwertgefühl. „No apologies for being me“ singt sie voller Emotion in „So be it“. Man soll zu sich selbst stehen. „Und keinen verfluchten Scheiß drauf geben, was die anderen denken“, ruft sie. Stansfield spricht in derbem Ton, mit rauchiger Stimme. Sie hat einen charmanten nordenglischen Akzent. Grinsend presst sie die vollen Lippen ans Mikrofon, streckt die muskulösen Arme bei „Time to make you mine“ hoch in die Luft.

Zur Halbzeit setzt die Trommel ein. „What did I do to you“, fragt Stansfield in schrillem Ton. Rhythmisch schnipst ihre einzige Backgroundsängerin im Takt. Mit voluminöser Stimme begleitet sie Stansfield 100 Minuten lang so überzeugend, dass man meint, hier stünden zwei Ikonen auf der Bühne. Stansfield macht einen riesigen Satz über den Bühnenboden. Dann räkelt sie sich lasziv vor dem Mikrofonständer, gibt sich einen Klaps auf die Hüfte und wackelt mit dem Hintern. Nicht jeder würde so etwas von einer 48-Jährigen erwarten. Aber Stansfield hat es irgendwie nicht so mit den Hemmungen. Auch ihre Fans nicht. Nach einer Stunde schwitzen mächtig viele Mittvierziger. Um 22 Uhr, kurz vor Schluss, entschuldigt sich Lisa Stansfield plötzlich. Für ihren, so Stansfield wörtlich, „ein bisschen beschissenen Song“. Dann stimmt sie „All around the world“ an. Und lässt das Publikum toben. Für ihre letzte Zugabe, „Live together“, lassen alle noch einmal kräftig die Hüften kreisen.