Ausstellung

Es wird eng in der Stadt

Fotografien im Märkischen Museum dokumentieren den Wandel Berlins

Berlin verändert sich jeden Tag, wie gewaltig die Veränderungen in der Zeit 1904 bis 2014 sind, zeigt jetzt die Ausstellung „Berliner Ansichten“ im Märkischen Museum. Zu sehen sind dort über 30 Bildpaare. Aufnahmen aus dem Jahren 1904 bis 1917 werden Fotografien aus den Jahren 2013/14 gegenübergestellt. Gemacht haben diese Bilder Max Missmann, damals einer der bekanntesten Berliner Stadt- und Architekturfotografen, und Jochen Wermann, der sich bereits seit dreißig Jahren der Stadtfotografie widmet.

Im Auftrag des Märkischen Museums folgte er den Spuren seines Kollegen, fotografierte die selben Orte, mit der gleichen Perspektive und Einstellung, auch Tageszeit und Lichtverhältnisse sind meist identisch. Das Ergebnis ist immer überraschend und manchmal erschütternd. So zum Beispiel der Bayrische Platz. „Hier ist nichts mehr von der Gestaltung aus Missmanns Zeit vorhanden“, sagt Wermann. „Da habe ich ein trauriges Foto gemacht von einem hilflosen Fünfzigerjahre-Platz.“ Auf dem Bild ist nicht mal mehr ein Platz zu erkennen, es ist bloß noch die Grunewaldstraße mit einem Taxistand.

Ähnlich traurig verhält es mit der Friedrichstraße. Auf Missmanns Bild sieht man die Bahnbrücke, Kutschen auf der Straße, an der Ecke ein Zigarrenladen und am linken Bildrand das Hotel Central, damals das größte der Stadt. Gute hundert Jahre später steht dort eine Rossmann-Filiale und gegenüber ein Mc Donalds-Restaurant. Und am Potsdamer Platz steht ganz verloren die einstige Ampelanlage mit Ziffernblatt, eine absurde Reminiszenz an vergangene Zeiten.

Dieses Vor und Zurückgehen in der Zeit zeigt der Lustgarten deutlich, damals mit Blick auf das königliche Schloss, das den gesamten Horizont ausfüllt. Jetzt mit Blick auf die Baustelle und die Humboldtbox. Und bald, niemand traut sich zu sagen, wann, der neuerliche Blick auf das wieder errichtete Stadtschloss. Andere Orte haben sich kaum verändert oder sie sehen inzwischen wieder so aus, wie sie einmal ausgesehen haben. Beim Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain verrät einzig das Graffiti auf der Statue, dass wir uns in der neuen Zeit befinden.

Wermann mag an Missmann das Monumentale, die großen Ansichten, aufgenommen mit Weitwinkel und meistens von einem erhöhten Standpunkt aus. Betrachtet man die aktuellen Bilder ist eines nicht zu übersehen: Berlin wird enger. Da hilft kein Weitwinkel mehr.

In den anderen Räumen präsentiert die Ausstellung Einblicke in weitere Werke der beiden Stadtfotografen. So dokumentierte Jochen Wermann den Abriss des Friedrichstadt-Palastes, und in seiner jüngsten Arbeit mit dem Titel „Ring Hundekopf“ zeigt er Bilder vom S-Bahn-Ring. Das macht sentimental, wenn es nur zwei Schritte weiter die Porträts von Missmann zu sehen gibt: Straßenarbeiter, Wimpel- und Brezelverkäufer, Müllmänner, eine mobile Trinkhalle im Lustgarten. Da wäre man jetzt doch lieber.

Eine besonders schöne Idee stammt vom Verlag M, die nicht nur den Katalog herausgeben, sondern aus den ausgestellten Bildern ein Memory-Spiel gemacht. Die Bilderpaare, damals und heute, müssen wizusammengeführt werden. Nach dieser Ausstellung ist klar: das ist keine leichte Aufgabe.

Märkisches Museum, Am Köllnischen Park 5, Öffnungszeiten Di – So, 10 – 18 Uhr, Eröffnung 24.05. Ende 31.08.