Sachbuch

Im Mittelalter gibt es Tote und Verletzte beim Fußballspiel

Fußball ist sehr viel älter, als wir glauben. Das Spiel war nämlich schon im Mittelalter bekannt, jedenfalls in England, dem Mutterland des Fußballs.

Allerdings in einer Form, bei der wir uns die Augen reiben. Mit der Zahl der Spieler nahm man es nämlich nicht so genau. Es konnten auch schon einmal 200 sein! Nahmen solche Massen teil, waren die Fußballtore oft mehrere Kilometer voneinander entfernt. Die Spielfeldgröße richtete sich nach der Zahl der Teilnehmer. Der Ball konnte klein wie ein Cricketball oder auch sehr groß sein.

Die Regeln des Spiels, das man damals „campball“ nannte, waren anarchisch, sie wurden jedes Mal neu festgelegt. Oft kam es zu chaotischen Szenen. Ein mittelalterliches Fußballspiel endete nicht selten mit Verletzten und Toten. Zwei Mal verbot König Edward III. das Spiel im ganzen Königreich. Seine Untertanen sollten sich lieber im Bogenschießen üben. Das war auch viel nützlicher für den Krieg. Es sind solche interessanten Details, die Ian Mortimers Buch „Im Mittelalter“ so lesenswert machen.

In seinem „Handbuch für Zeitreisende“ erfahren wir sehr viel aus dem Alltagsleben des mittelalterlichen Menschen. Mortimer hat zwar einen Reiseführer durch das England des 14. Jahrhunderts geschrieben, doch vieles kann man auch auf Deutschland übertragen. Sein Buch ist plastisch, sinnenfroh, oft schrecklich, aber auch überraschend anders. Nicht selten sprengt es unsere vorgefassten Meinungen, die meist aus Hollywoodfilmen stammen oder aus historischen Romanen, die sich gern des schaurig- düsteren Mittelalters annehmen.

Ian Mortimer: Im Mittelalter. Handbuch für Zeitreisende, Piper Verlag, München, 432 Seiten, 22,99 Euro