Kunstsache

Unheilige Malerei

Gabriela Waldes wöchentlicher Streifzug durch die Berliner Galerien

Wer je gedacht hat, Malerei sei mausetot, der kann sich an den Kopf fassen. Beim Gallery Weekend konnte man sehen, dass mit Öl und Acryl gerade wieder wie wild produziert wird. Freilich muss die Leinwand nicht immer Leinwand sein wie Katharina Grosse zeigt, die ganze Landschaftsstriche mit einer Sprühdose in furiose Farbfelder verwandelt.

Gerade zeigt Tim Eitel bei Eigen + Art seine neuen Arbeiten, Öl auf Leinwand. Seine Gemälde mäandern zwischen Tag und Nacht, Traum und Realität. Seine Sonne ist schwarz. Da sehen wir ein Paar, das sich voneinander abwendet. Ein Gespräch gibt es nicht. Da liegt ein Junge auf einer schmalen Matratze. Wo befindet er sich? Ist das ein Obdachloser? Allerdings scheint er modisch up to date und markengerecht gekleidet. Die Umrisse eines entrückten Mannes verlieren sich im Nebel.

Gefühlt gehören diese Szenerien in den Schatten-Bereich, in unserer Wahrnehmung sind sie grau, aber eigentlich stimmt das nicht. Es gibt Blau in verschiedenen Nuancen, Braun, und ja, auch Weiß. Eitel übermalt in verschiedenen Schichten.

Eitel, Jahrgang 1971, hat mal erzählt, dass seine Arbeit stark von dem abhängt, was um ihn herum passiert. Er fotografiert Situationen als visuelles Tagebuch. Und dann malt er.

Er kommt aus der Schmiede der „Neuen Leipziger Malerei“, lebt in Paris und Berlin. In diesen Metropolen geht der Stoff nie aus. Mag sein, dass es ihm nicht gefällt, wenn man sagt, dass er Psychogramme malt. Doch Malen ist schließlich ein Zustand.

(Eigen + Art, Auguststr. 26. Di-Sa 11-18 Uhr. Bis 7. Juni)

Christian Rosa ist da viel spielerischer. Er kommt aus Los Angeles, dort ist das Klima mild und sonnig, vielleicht deshalb hüpfen und springen bei ihm die Formen und Gebilde so kreuz und quer im Bild herum. Striche, Krickel und Schraffuren tummeln sich da munter im mitunter über zwei Meter großen Bildgrund. Man kann sich das vorstellen als eine Melange von Kandinsky , Cy Twombly und Miró, allerdings in „light“. Kohle, Farbspray, Dreck und Öl direkt aus der Tube kommen da zusammen. Rosa lässt zwischen den Formen viel Platz, so entsteht diese charmante Leichtigkeit.

Jedenfalls sollen Hollywood-Stars wie Leonardo DiCaprio ganz heiß auf seine Werke sein. Rosa hat in Wien bei Daniel Richter Malerei studiert, so kam wohl seine Verbindung zu Contemporary Fine Arts (CFA) zustande. Dort hat man sich neben Christian Rosa im ersten Stock auch im Erdgeschoss mit „Maximalism“, einer Gruppenschau, komplett der jungen Malerei verschrieben. Mit heiligem Unernst werden die Grenzen des Tafelbildes demontiert. Kaari Upson, Jahrgang 1972, hat die Idee der Leinwand ziemlich ausgereizt: Sie ist auf die Matratze gekommen. Die Geschichte ist skurril. Das Bett als Tatort ist ein Thema, was sie reizt. Irgendwo in L.A. betrieb ein gewisser Harry ein Bordell, sie ging rein und fotografierte diese Betten – und malte sie. Irgendwann goss sie diese Latex-Polster aus Silikon. Und jetzt hängt bei CFA eben eine Matratze an der Wand, die keine ist, sondern ein durchaus ästhetisches Objekt, das wiederum aussieht wie ein gesprühtes Bild. Ein Bild ist kein Bild .

(CFA, Am Kupfergraben 10. Di-Sa 11-18 Uhr. Bis 10. Juni)

Jeden Sonntag schreibt Gabriela Walde, Kunstkritikerin der Berliner Morgenpost, über Berlins Galerien