Interview

Der richtige Ton für den „Tatort“

Jakob Grunert, Komponist aus Berlin, über die Musik für Krimis und Edeka

Im Vergleich zu anderen „Tatort“-Folgen hat die Bremer Episode „Alle meine Jungs“ ein hohes Tempo. Das liegt auch an der Musik. Komponiert hat sie der Berliner Musiker und Regisseur Jakob Grunert, Jahrgang 1980. Berühmt gemacht hat ihn aber ein Werbeclip: die Edeka-Werbung „Supergeil“. Ein Gespräch über Krimis, den richtigen Ton und nervige Großstadthipster.

Berliner Morgenpost:

Herr Grunert, wie wird man „Tatort“-Komponist?

Jakob Grunert:

In meinem Fall: Weil der Regisseur des „Tatort“, Florian Baxmeyer, ein Freund von mir ist und mich gefragt hat, ob ich mich um die Musik kümmern kann. Das allererste Mal haben wir beim Kinofilm „Die drei ??? und der Fluch des Schlosses“ zusammengearbeitet. Da suchte er kurzfristig dringend jemand für drei musikalische Passagen, und ich bin eingesprungen. Und so kam es, dass ich unter anderem das Titelthema komponiert habe.

Das ein bisschen im Stil von „Mission Impossible“ gehalten war.

Ja, „Kindermission impossible“ sozusagen. Jedenfalls mochten wir uns, und als Florian dann einen Hamburger „Tatort“ drehte, hat er mich wieder gefragt.

Der Tatort am Sonntag ist schon Ihr dritter. Sie sind aber kein großer Fan. Wie bekommt man ein Gespür für die Grundstimmung?

Ich glaube, so etwas wie eine klassische „Tatort“-Grundstimmung gibt es nicht. Ich gehe das an wie einen ganz normalen Krimi. Da muss man sich jeden Film für sich anschauen.

Gibt es beim „Tatort“ musikalische Vorgaben vom Sender?

Das habe ich bislang noch nicht erlebt. Natürlich haben die Regisseure bestimmte Vorstellungen. Oft verweisen sie auch auf bekannte Filmmusik. Ich versuche, so viel wie möglich mit meiner Musik zu arbeiten, um da nicht zu viel mit fremder konfrontiert zu sein.

Was war Ihnen bei dieser Folge wichtig?

Ich finde, der Film hat eine comichaft überhöhte Realität. Das wollte ich auch in der Musik transportieren. Außerdem war es mir wichtig, diese minimalistisch anzulegen. Das ist mir generell wichtig: Nicht übers Ziel hinauszuschießen, sondern nur das zu machen, was nötig ist.

Richtig berühmt ist ein Werbeclip von Ihnen geworden: der Edeka-Spot „Supergeil“. Haben Sie eine Erklärung für den Erfolg?

Nein (lacht). Ich glaube, es ist eine Mischung aus dem sehr beliebten Friedrich Liechtenstein, dem Song, der so aufgebaut ist, dass man die Passagen auch leicht in den eigenen Sprachgebrauch übernehmen kann, und dem Video.

Das (nicht kommerzielle) Original hatten Sie mit Friedrich Liechtenstein ein Jahr zuvor in der Berliner Volksbühne gedreht. Es wirkt viel subversiver, wie ein böser Kommentar auf die hippen Berliner.

So war es auch gedacht. Als Kommentar auf diese „Ey, alles ist so supergeil“-Haltung. Das Video war eine totale Spaßaktion, bei der wir völlige Freiheit hatten. Wir haben es in zwei, drei Stunden gedreht. Das umzubauen für Edeka und auf die Produkte abzustimmen, war ein ziemlicher Prozess.

Überlegt man sich da, ob man die eigenen Ideale verrät?

Das überlegt man sich immer. Aber Edeka ist nicht McDonald’s. Bei anderen Marken hätten wir wohl länger nachgedacht. Und wir hatten keine großen Erwartungen. Es war mehr ein Spaß, wir wollten versuchen, ob das funktioniert.

Das hat es: Bis heute wurde es über zehn Millionen Mal auf Youtube abgerufen. Was hat sich seitdem in Ihrem Leben geändert?

Ich hatte erst mal viel mit dieser Welle zu tun. Konkret hat sich aber gar nicht so viel geändert. Es schreiben ein paar Leute mehr Mmails oder rufen an. Der Anteil der interessanten Anfragen ist aber gleich geblieben.