Festival-Kritik

Erinnerung an ein früh gestorbenes Komponistengenie

Auftakt: „Intonations“-Festival führt Werke Rudi Stephans auf

Kammermusikfestival leben von einer besonderen Leidenschaft, die sich manchmal in überlangen Programmen spiegelt. Einfach, weil die Musiker möglichst viel ans Publikum bringen wollen. Mit 41 Werken in sechs Konzerten wirbt „Intonations – das Jerusalem International Chamber Music Festival“, das die Berliner Pianistin Elena Bashkirova im Jüdischen Museum veranstaltet. Das Eröffnungskonzert umreißt gleich in den ersten beiden Stücken den Kosmos, den das exklusive Festival bis Sonntag aufmachen will. Alles dreht sich rund um den 150. Geburtstag von Richard Strauss und um den Ersten Weltkrieg, der vor 100 Jahren begann und Auswirkungen auch auf die Musikentwicklung hatte.

Deswegen erklingt die Musik für sieben Saiteninstrumente von 1911 zum Auftakt. Komponist Rudi Stephan war vier Jahre später im Krieg in Galizien gefallen. Mit gerade mal 28 Jahren, sein Oeuvre ist dementsprechend klein. Elena Bashkirova möchte darin ein zu früh gestorbenen Genie entdecken. Begleitet von ihrem Sohn, dem Geiger Michael Barenboim, den Philharmonikerinnen Madeleine Carruzzo (Viola), Marie-Pierre Langlamet (Harfe) und anderen führt die Pianistin das amorphe Stück vor. Es changiert zwischen Spätromantik und Moderne, lebt von effektvoll gebauten Kontrasten, die um den Applaus buhlen.

Ins Volle greift danach Strauss’ Melodram „Enoch Arden“, das noch aus der Zeit vor seinen großen Opern stammt. Dominique Horwitz ist ein zupackender Sprecher jener Geschichte, die Pathos nicht scheut und vom Seemann erzählt, der schiffbrüchig wird, derweil seine Frau daheim einen anderen ehelicht. Zu erleben ist ein perfektes Zusammenspiel mit der Pianistin. Nach zwei Stunden dann die Pause. Während sich die ersten verabschieden, kommen andere Hörer hinzu. Stardirigent Daniel Barenboim erscheint rechtzeitig für Debussy und Strauss im zweiten Teil, in diesem Jahr tritt der Pianist allerdings selbst nicht beim Festival seiner Ehefrau auf.