Tagebuch

Volker Brauns kurze Notizen einer Übergangsgesellschaft

„Ich kann sagen, was ich will, Schlagzeilen mache ich nicht. Die macht Grass, mit seiner Gabe aufzuwiegeln.“

Das ist eine der letzten Eintragungen im Tagebuch des Schriftstellers Volker Braun, das jetzt als „Arbeitsbuch 1990-2008“ (wohl in Anlehnung an Brechts „Arbeitsjournal“) zu seinem 75. Geburtstag erschienen ist. Braun gehört zu den wichtigsten „deutsch-deutschen“ Schriftstellern der Nachkriegszeit, auch wenn der „Grübler und Philosoph“ unter den damaligen DDR-Autoren vielleicht weniger „Schlagzeilen“ gemacht hat als einige andere Kollegen.

Zuvor waren schon die Aufzeichnungen der Jahre 1977 bis 1989 des Büchner-Preisträgers, der auch den DDR-Nationalpreis erhalten hat, erschienen. Er gehörte 1976 zu den Unterzeichnern der Protestresolution gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. In den 1000 Seiten umfassenden Tagebuchnotizen (in durchgehender Kleinschreibung) der „Nachwendezeit“ und der deutschen Einheit sieht sich der kritische Beobachter Braun nicht nur mit einer realen Übergangsgesellschaft, sondern als Autor natürlich auch mit neuen Arbeits- und Lebensbedingungen konfrontiert.

Das geht nicht ohne kritische Überlegungen ab, über Vor- und Nachteile der ost- und westdeutschen Gesellschaftssysteme oder über manche Kollegen, was nicht immer den sachlichen Ton trifft. Auch Brauns Begegnungen mit Christa Wolf finden ihren Niederschlag. So auch 1991, als die Autorin des „Geteilten Himmel“ heftig attackiert wird und meinte, sie könne nicht mehr schreiben, sie habe ihr Selbstbewusstsein verloren.

Volker Braun: Werktage. Arbeitsbuch 1990-2008. Suhrkamp Verlag, 1000 S. , 39,95 Euro