Buchvorstellung

Wenn der Pottwal platzt

Heinrich Steinfest schickt einen Manager durch das Schädel-Hirn-Trauma der Liebe

Als das Schicksal Sixten Braun ereilt und die Welt plötzlich finster wird, befindet sich dieser auf Geschäftsreise im taiwanischen Tainan. Im Krankenhaus erwacht der 26-jährige Manager eines börsennotierten IT-Unternehmens und verfällt prompt seiner behandelnden Ärztin Dr. Lana Senft, einer deutschen Neurologin, mit Haut und Haar, geplagtem Hirn und zum allerersten Mal so richtig erweichtem Herzen. Denn – das wird Sixten nicht müde zu betonen – es handelt sich um Liebe und nichts Geringeres als das. In heimatlichen Gefilden indifferent verlobt, idealisiert er die Medizinerin in luftige Höhen.

Autor Heinrich Steinfest macht es dem Leser wirklich nicht einfach mit seinem Ich-Erzähler: Sixten Braun stürzt auf dem Rückflug nach Taipeh über dem Meer ab, sein unbedingter Wille und eine glückliche Fügung lassen ihn beinah zum Mörder des Zehn-Millionen-Manns, aber auch zum Überlebenden einer weiteren Katastrophe werden. Zurück in Deutschland, verpasst er es trotz fehlender Liebe, seine Frau zu verlassen, zieht schlussendlich dann doch nach Stuttgart und wird dort Bademeister im Mineral-Bad Berg.

Ein Anruf der taiwanischen Vertretung in München bringt Sixten Brauns Leben erneut in Aufruhr: Aus der Verbindung mit Dr. Senft sei ein Kind entstanden, siebenjährig nun, diese sei jedoch verstorben, auch die Pflegemutter könne sich nicht um den Jungen kümmern. Dass es sich bei Sixten nicht um den biologischen Vater des Kindes handelt, stellt sich erst bei der Ankunft des Jungen heraus, nichtsdestotrotz nimmt dieser sich des Kindes an. Simon, ein wahres Wunderkind, spricht nicht nur eine Fantasiesprache, sondern klettert wie ein Weltmeister und erfasst seine Umgebung zeichnerisch mit picassohaftem Talent. Pathos an, Pathos aus.

Heinrich Steinfest, gebürtiger Österreicher und in Stuttgart lebender Autor, wurde mehrfach mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Nun wagt er mit dem „Allesforscher“, einer begrifflichen Neuschöpfung für den modernen Universalgelehrten, nach seinem Vorgängerroman „Das himmlische Kind“ einen zweiten Auftritt als Romancier. Eine überpralle Geschichte ist dabei herumgekommen, die alles und nichts ist: mal romantischer Kitsch, mal Vater-Sohn-Erzählung, mal die Geschichte eines Scheiterns, mal Abenteuerroman auf offenem Meer. „Es gibt keine Zufälle. Den Glauben an den Zufall hat die Aufklärung geschaffen, um die weißen Flecken auf der Landkarte des Lebens zu füllen.“

Heinrich Steinfest Der Allesforscher. Piper, 400 Seiten, 19,99 Euro