Musik

Das Alphorn hat eine wachsende Fangemeinde

Die Sonne scheint, die Wiese ist grün, die Kuhglocken läuten. Und über alles hinweg schallt mächtig der Ruf des Horns durchs Tal.

Parallel aufgereiht sind die drei Meter langen Alphörner, gespielt von Männern in schweizerischer Bauerntracht. So sieht das Bild aus, welches die schweizerische Tourismusindustrie seit anderthalb Jahrhunderten vom berühmtesten Instrument ihres Landes verbreitet. „Die Leute, die es ausprobieren, sind immer wieder ganz erstaunt, wie wenig Kraft und Luft nötig sind, um einen Ton zu erzeugen“, sagt Traugott Forschner. Im Hauptberuf ist Forschner Trompeter, doch seit er sich im Jahr 1996 in der Schweiz selbst ein Alphorn baute, kehrt er immer wieder zu diesem Instrument zurück. „Für meine Lippen, aber auch für meine musikalische Sensibilität ist das Üben auf dem Alphorn wie eine Kur“, sagt er. Mit einigen Gleichgesinnten hat Traugott Forschner in Berlin eine richtige Alphorn-Community geschaffen – mittlerweile unter dem Namen „Berliner Alphornorchester“.

Der heutige Mittwoch ist für die Berliner Alphornisten ein besonderer Tag: Immer in der Walpurgisnacht, dem Abend vor dem 1. Mai, kommt es auf dem Hahneberg bei Spandau zum Höhepunkt des Berliner Alphornjahres, die Zuhörer bringen Picknickdecken mit, gemeinsam beginnt um 18.30 Uhr der Aufstieg. Die Bergkulisse fehlt. In der Ferne glänzen der Fernsehturm, der Berliner Dom und den Allianz-Treptower.

In einer Großstadt wie Berlin hat sich das Alphornspielen weitgehend von seinen folkloristischen Elementen getrennt. „Mit der Schweiz hat das bei uns in Berlin nicht mehr unbedingt zu tun“, sagt auch Traugott Forschner. „Die Alphörner eröffnen aber immer wieder das Spannungsfeld zwischen Urbanität und Natur.“ Mittlerweile haben einige Komponisten in Berlin für das Alphornorchester geschrieben, eine erste CD ist jetzt erschienen. „Auf dem Kreuzberg“, „Im Roten Rathaus“, „Am Brandenburger Tor“ oder „Pankower Kuhreihen“, so heißen die teils meditativen, teils recht fetzigen, auch rhythmisch anspruchsvollen Stücke aus dem „Berliner Alphornbüchlein“ des Komponisten Andreas Frey. Etliche dieser Stücke wird man auch am kommenden Sonntag um 17 Uhr beim Alphorn-Konzert in der Trinitatiskirche in Charlottenburg hören. Das Alphorn hinterlässt auf jeden Fall auch ohne Bergkulisse einen bleibenden Eindruck.