Interview

„Ein echter Exportschlager“

Das Gallery Weekend wird zehn Jahre alt: Galerist Bruno Brunnet über die Chancen des Gallery Weekends, Twitter und Ai Weiwei

Es ist wieder soweit: Nächsten Freitag beginnt das Gallery Weekend. Diesmal wird es noch einige Partys mehr geben, denn das muntere Kunstevent wird zehn Jahre alt. Galerist Bruno Brunnet gehörte von Anfang an dazu. Mit seiner Galerie Contemporary Fine Arts, die unweit des Pergamonmuseums liegt, verbinden sich Namen wie Daniel Richter, Peter Doig, und Tal R. Wir trafen ihn dort, wo er gerade seine Ausstellung „Maximalism“ mit fünf Newcomern vorbereitet.

Berliner Morgenpost:

Das Gallery Weekend wird zehn, das wird im Flughafen Tempelhof gefeiert. Funktioniert das Format noch?

Bruno Brunnet:

Es hat sich irre entwickelt, international große Bedeutung bekommen und ist einfach ein Exportschlager geworden. Ein beliebtes Format, das auch gerne kopiert wird. Warum sollte man da etwas ändern?

Das Weekend ersetzt das Art Forum. Was ist der Vorteil gegenüber einer Kunstmesse?

Ich muss nicht reisen, habe keinen Transport und bin in meiner eigenen Galerie. Wir können uns gut vorbereiten und müssen keiner Jury gefallen.

Klingt irgendwie heimatverbunden. Das heißt, die eigene Galerie ist das wichtigste?

Die Arbeit in der Galerie ist nach wie vor das Wichtigste. Auf einer Messe hat man zwei Tage zum Aufbau. Das kann man nicht mit einer gut vorbereiteten Galerieausstellung vergleichen. Beim Gallery Weekend hat sich längst rumgesprochen, dass es ein hohes Niveau erreicht hat, die Leute kommen. Es ist für sie auch interessanter, sich frei durch die Stadt zu bewegen als nur durch Messehallen.

Klingt da Messemüdigkeit durch?

Die hat jeder. Aber das gehört dazu, sonst fällt man aus dem Kontext. Das ist Part of the Deal. Natürlich müssen wir Galeristen uns etwas einfallen lassen, um ein Publikum zu erreichen. Hier haben wir ein Format, an dem sich etwa 50 Galerien beteiligen, dazu kommen Sammler, die ein gezieltes Programm bekommen – ohne Langweile.

Das hoffen wir. Doch gibt es keine Ermüdungserscheinungen nach zehn Jahren?

Ach, wir machen doch auch seit Jahrzehnten Vernissagen. Wenn es langweilig wäre, müssten wir es lassen. Wir versuchen, gute Künstler und auch Sammler nach Berlin zu bekommen. Was für Berlin gar nicht so leicht ist, weil nach wie vor die Kaufkraft nicht groß ist.

Gallery Weekend und Art Week liegen jetzt in der Hand einer Geschäftsführerin, damit professionalisiert sich das. Die Art Week wird sogar vom Senat bezuschusst.

Überall, wo der Senat sich engagiert, da kriege ich Pickel. Wo Wowi draufsteht, ist auch Wowi drin. Das ist nicht meine Baustelle als Galerist, ich denke da unabhängiger.

Mittlerweile gibt es in Berlin einige große Privatsammlungen. Die Verkaufszahlen hat das nicht angekurbelt?

Es lohnt sich nicht, darüber zu jammern. Auf dem deutschen Markt gibt es bestimmte Limits, dann ist Feierabend. Das neue heiße Geld gibt es in anderen Ländern. Die Karten auf dem globalen Kunstmarkt werden gerade neu gemischt. Das Gallery Weekend hilft der Stadt Berlin, sich im Fokus dieses Marktes zu präsentieren.

Wo steuert das Gallery Weekend in den nächsten Jahren hin?

Keine Ahnung, die politische und wirtschaftliche Lage ist dabei entscheidend. So lange das Publikum reisen kann und genug Geld dafür da ist, wird es funktionieren. Ich denke, Europa hat den Vorteil, dass man von überall aus in anderthalb Stunden in Berlin ist. Es ist Frühling, Hotels gibt es genug, Künstler sind keine Mangelware, alles gut also.

Wie sieht es aus mit den Neuen Medien, haben sie auch das Galeriegeschäft beeinflusst?

Ich denke oft daran, was für große Veränderungen die Welt in den letzten Jahren durchgemacht hat. Messeauftritte, Vernissagen, alles läuft wie immer im Kunstbereich. Aber die ganze Bandbreite der sozialen Medien, die haben wir noch gar nicht so im Blick. Über das Netz lässt sich Nachfrage und Publikum gewinnen. Und wir schicken alle noch brav unsere Emails raus! Facebook, Instagram und Twitter haben nicht umsonst so einen Riesenerfolg. Das Standardprogramm reicht da nicht mehr. Da müssen wir Galerien uns etwas überlegen.

Ai Weiwei ist über die sozialen Netzwerke richtig bekannt geworden.

Ai Weiwei ist ein gutes Beispiel, er ist ein Meister in der Selbstvermarktung. Er schießt aus allen Rohren: Er macht Rockmusik, dreht einen Film, lässt seine Zelle nachbauen. Er bedient das mediale Interesse. Da kann man über seine Kunst urteilen, wie man mag. Er ist derzeit der bekannteste lebende Künstler.

Der Kunsthandel konnte sich online allerdings nicht durchsetzen.

Ja, weil man sich nicht darauf verlassen kann, was man online sieht. Ab einem bestimmten Preis muss man das Werk einfach im Original sehen, nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Wie kriegt man in Berlin nun mehr Sammler ins Boot?

Die Sammlerschaft kommt, wenn wir zehn heiße Künstler zum Gallery Weekend präsentieren (lacht). Oder fünf! So einfach ist das. Und was anderes machen andere Städte doch auch nicht.

Brauchen wir noch ein neues Art Forum?

Nein, wir brauchen keine Messe. Die Diskussion sollten wir endlich begraben. Wir brauchen interessante Galerieausstellungen mit internationaler Wirkung. Das ist schwer genug. Große Sammler wie einst Peter Ludwig in Köln oder Harald Falckenberg in Hamburg haben wir in Berlin nicht. Das registrieren die ausländischen Künstler, Galerien und Sammler. Was die Kunst betrifft, fehlen uns die Global Player. Schauen Sie, was in Los Angeles passiert, da stecken Milliarden von Privat in der Kunstszene. Aber das ist natürlich kein Beispiel für Berlin.